06.06.2013
Deutschland: Antisemitische Attacke auf jüdischen Geistlichen
Mutmaßlich muslimische Jugendliche beleidigen Rabbiner Mendel Gurewitz
Deutschland: Antisemitische Attacke auf jüdischen Geistlichen
Mutmaßlich muslimische Jugendliche beleidigen Rabbiner Mendel Gurewitz
Offenbach (idea) – In Offenbach hat eine Gruppe mutmaßlich muslimischer Jugendlicher einen jüdischen Geistlichen beleidigt und bedrängt. Der Vorfall ereignete sich während eines verkaufsoffenen Sonntags am 2. Juni in einem Einkaufszentrum. Nach Angaben des Rabbiners Menachem Mendel Gurewitz rief ihm die Gruppe „Jude, Jude“ zu. Daraufhin habe er die Jugendlichen mit seinem Handy fotografiert, um mit den Bildern zur Polizei zu gehen. Die Gruppe und zwei Angestellte des Sicherheitsdienstes seien dann zu ihm gekommen und hätten verlangt, dass er die Fotos lösche. Als er zum Ausgang begeben habe, hätten ihn die Jugendlichen verfolgt und ständig fotografiert, ohne dass der Wachdienst eingegriffen habe. Gurewitz: „Sie schrien und brüllten, und niemand – nicht einer der vielen Passanten – reagierte. Manche kicherten sogar bei dem Anblick.“ Ein Jugendlicher habe ihn geschubst und angeschrien: „Ich versuchte zu flüchten, aber ich war umzingelt und in Gefahr.“ Zum Glück sei ein Freund vorbeigekommen: „Ich sprang in sein Auto und konnte wundersamerweise entkommen.“ Bei dem Vorfall soll der 39-Jährige auch als „Sch...-Jude“ beschimpft worden sein. Das Polizeipräsidium Südosthessen teilte mit, dass es sich bei der Gruppe um „sechs bis acht südländisch aussehende Jugendliche“ gehandelt habe. Auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte Gurewitz, dass es Muslime gewesen seien. Er hat Anzeige erstattet. Nach Polizeiangaben wird wegen des Verdachts der antisemitischen Beleidigung, Körperverletzung und Nötigung ermittelt. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen.
Rabbi: Jede Woche Belästigungen und Beleidigungen
Nach Angaben des Rabbiners vergeht keine Woche, „in der meine Söhne oder ich belästigt und beleidigt werden, nur wegen unserer jüdischen Erscheinung“. Die Rufe lauteten „Jude“, „Sch...-Jude“ und „Viva Palästina“ (Es lebe Palästina). Gurewitz arbeitet seit 15 Jahren als Rabbiner in Offenbach. Die dortige Jüdische Gemeinde hat fast 1.000 Mitglieder. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann (Frankfurt am Main), bezeichnete den Angriff als bestürzend: „Dass jemand nur, weil er durch seine Kleidung als Jude erkennbar ist, rüde beschimpft und bedroht wird, ist einfach nicht zu akzeptieren und eine Schande für uns alle.“ Ein besonderer Skandal sei, dass das Sicherheitspersonal des Einkaufszentrums so eklatant versagt habe. Der Chef des Marktes hat sich inzwischen für das Verhalten der Sicherheitsleute entschuldigt. In den vergangenen Jahren war es wiederholt zu antisemitischen Übergriffen in Deutschland gekommen. Im September 2012 wurde der Rabbiner Daniel Alter in Berlin von vier jungen Männern – laut Polizei mutmaßlich arabischer Herkunft – zusammengeschlagen. Im November 2008 hatten zwei junge Muslime den Berliner Rabbi Yehuda Teichtal und acht Schüler mit antisemitischen Parolen beleidigt. 2007 war der Rabbiner Zalman Gurevitch in Frankfurt am Main durch die Messerattacke eines Deutschen afghanischer Herkunft lebensgefährlich verletzt worden.