20.03.2013
Vatikan: Empfang beim Papst für Vertreter der Kirchen, der WEA und der Religionen
Evangelikale beim Papst: „Rom“ tritt unter Franziskus demütiger auf
Vatikan: Empfang beim Papst für Vertreter der Kirchen, der WEA und der Religionen
Evangelikale beim Papst: „Rom“ tritt unter Franziskus demütiger auf
Rom (idea) – Die römisch-katholische Kirche tritt unter dem neuen Papst Franziskus demütiger auf – auch gegenüber den anderen Kirchen. Diesen Eindruck hat der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), bei der Amtseinführung des katholischen Oberhaupts am 19. März und bei einer Audienz für Vertreter der Kirchen, der evangelikalen Bewegung und der Religionen am 20. März im Vatikan gewonnen. Weitere Teilnehmer der Begegnung waren unter anderen Geoff Tunnicliffe (New York), Internationaler Direktor der WEA – sie repräsentiert rund 600 Millionen Evangelikale – sowie führende Repräsentanten weltweiter kirchlicher Zusammenschlüsse, darunter der Generalsekretär des Weltkirchenrates, Olav Fykse Tveit, der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib A. Younan (Jerusalem), und der Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, Setri Nyomi (Genf). In seiner Ansprache äußerte sich der Papst zum Wesentlichen des Glaubens: „die persönliche Beziehung zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, gestorben und auferstanden zu unserem Heil“. Franziskus bekräftigte ferner, „nach dem Vorbild meiner Vorgänger weiterzugehen auf dem Weg des ökumenischen Gesprächs“. Den Vertretern des jüdischen Volkes, „mit dem uns ein spezielles geistliches Band vereint“, versicherte er, „das brüderliche Gespräch“ fortzusetzen, das in den letzten Jahrzehnten schon viele Früchte getragen habe. Der Papst grüßte auch die anderen Vertreter der Religionen, „vor allem die Muslime, die den einen, lebendigen und barmherzigen Gott anbeten“. Die Gläubigen aller Religionen könnten viel für die Bewahrung der Schöpfung, für die Armen und für den Weltfrieden tun, so Franziskus.
Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede
Wie Schirrmacher gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, habe der Papst in einem kurzen Gespräch mit den evangelikalen Vertretern gesagt, dass zwischen beiden Seiten bei den anstehenden Aufgaben mehr Gemeinsamkeiten bestünden als Unterschiede, die trennten. Schirrmacher regte nach eigenen Angaben gegenüber dem Papst an, den Einsatz für verfolgte Christen im Vatikan zu institutionalisieren, etwa in einem Päpstlichen Rat, der sich dem Thema widme. Er bot dabei auch eine Zusammenarbeit mit den Evangelikalen an.
Franziskus und Benedikt auf einer Linie
Schirrmacher hat bei den Begegnungen den Eindruck gewonnen, dass Papst Franziskus grundsätzlich in den theologischen und ethischen Fragen auf einer Linie mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. liege. Zwar sei die Marienverehrung bei Franziskus präsenter als bei Benedikt, aber längst nicht so massiv wie unter Johannes Paul II. (1920-2005). Bei Gesprächen mit Kardinälen im Vatikan habe er eine „große Aufbruchstimmung“ festgestellt, so Schirrmacher. Er äußerte die Erwartung, dass die römisch-katholischen Kirche künftig stärker auf andere Kirchen zugehe und es auch zu einer Intensivierung des theologischen Dialogs mit den Evangelikalen komme.
„Lasst uns Hüter der Schöpfung sein!“
Zu der feierlichen Amtseinführung des Papstes hatten sich am 19. März mehr als 150.000 Menschen auf dem Platz vor dem Petersdom versammelt. Bei der Zeremonie, der Vertreter aus 132 Nationen beiwohnten – darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel – erhielt Franziskus die päpstlichen Insignien, den Fischerring und das Pallium, eine Art Schal. In seiner Predigt rief er zur Bewahrung der Umwelt und zur Solidarität mit den Armen und Schwachen auf: „Lasst uns Hüter der Schöpfung sein!“ Der 76-jährige Argentinier ist Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken.