31.03.2013
Indonesien: Behörden ordneten die Zerstörung einer Kirche an
Sie war angeblich ohne Genehmigung errichtet worden
Indonesien: Behörden ordneten die Zerstörung einer Kirche an
Sie war angeblich ohne Genehmigung errichtet worden
Bielefeld (idea) – In Indonesien haben staatliche Behörden die Zerstörung einer Kirche angeordnet. Muslime hatten gegen das Gotteshaus in der Stadt Bekasi auf der Insel Java protestiert, weil es angeblich ohne Genehmigung errichtet worden sei. Die Gemeinde habe den Vorwurf erfolglos zurückgewiesen. Dies berichtet der für die weltweiten Partnerschaftsbeziehungen der westfälischen Landeskirche zuständige Oberkirchenrat Ulrich Möller (Bielefeld). Die Landeskirche hat eine Partnerschaft mit der Christlich-Protestantischen Toba-Batak-Kirche (HKBP), der das am 21. März zerstörte Gebäude gehörte. Die Präses der westfälischen Kirche, Annette Kurschus (Bielefeld), hat der Toba-Batak-Kirche ihre Anteilnahme ausgesprochen. In ihrem Schreiben an den Kirchenleiter, Willem Simarmata, heißt es: „Trotz all Ihrer Geduld, Kämpfe und Mühen um Menschenrechte und Religionsfreiheit haben Sie unter der gnadenlosen Politik einer verantwortungslosen Regierung und unter den hasserfüllten Aktionen intoleranter Gruppen zu leiden.“ Die Toba-Batak-Kirche ist mit 4,5 Millionen Mitgliedern die größte evangelische Kirche Asiens.
Staat deckt Übergriffe gegen Christen
Mit 16 Prozent der Bevölkerung sind die Christen in dem überwiegend islamischen Indonesien eine Minderheit. Formal bestehe zwar Religionsfreiheit, so Möller, tatsächlich aber seien Christen immer wieder Anfeindungen und brutalen Übergriffen ausgesetzt, die vom Staat geduldet oder gar unterstützt würden. „Traditionell bestand bis vor einigen Jahren ein gutes Miteinander der Religionen in Indonesien“, erläuterte Möller. Inzwischen paktiere die Regierung aus populistischen Gründen mit militanten Islamisten und decke deren fanatische Gewalttaten. Finanziert würden die Islamisten von arabischen Ländern. Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker gab es in Indonesien im vergangenen Jahr 264 Übergriffe auf Angehörige religiöser Minderheiten. Im Februar dieses Jahres traf es unter anderem drei protestantische Gemeinden in Makassar (Provinz Süd-Sulawesi), deren Kirchengebäude mit Molotow-Cocktails beworfen wurden. Dabei sei erheblicher Sachschäden entstanden. In der Region Aceh im Nordwesten der Insel Sumatra kamen die Behörden der Forderung radikaler Islamisten nach und ordneten die Schließung von 17 Kirchen an. Aus diesem Grund müssen nun 15.000 Christen ihre Gottesdienste entweder im Freien oder in Privatwohnungen feiern. Von den rund 240 Millionen Einwohnern Indonesiens sind 80 Prozent Muslime, 16 Prozent Christen, zwei Prozent Hindus sowie jeweils ein Prozent Buddhisten und Angehörige von Stammesreligionen.