01.05.2013

34. Evangelischer Kirchentag in Hamburg

Deutscher Evangelischer Kirchentag erwartet 117.000 Dauerteilnehmer

34. Evangelischer Kirchentag in Hamburg

Deutscher Evangelischer Kirchentag erwartet 117.000 Dauerteilnehmer

Bischöfin Fehrs: Für religiöse Koalition gegen Gottvergessenheit

Hamburg (idea) – „Wir brauchen eine religiöse Koalition gegen die Gottvergessenheit.“ Dazu hat die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche, Kirsten Fehrs (Hamburg), am 1. Mai zum Auftakt des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Hamburg vor Journalisten aufgerufen. Zu dem Protestantentreffen werden bis zum 5. Mai knapp 117.000 Dauerteilnehmer und bis zu 40.000 Tagesgäste in der Freien und Hansestadt erwartet. Fehrs zufolge wird diese Koalition nicht nur in Hamburg benötigt, sondern in allen Teilen der Nordkirche und darüber hinaus. Notwendig sei auch „eine Ökumene der Religionstoleranz“, fügte sie hinzu. Es gehe um den Frieden in der Stadt und darum, gemeinsam voneinander zu lernen. Hamburg stehe ganz besonders im Fokus der interreligiösen Bezüge, „denn hier wurden bereits Staatsverträge mit muslimischen und alevitischen Gemeinden geschlossen“, so die Bischöfin. Deshalb werde man während des Kirchentages „religiöse und kulturelle Vielfalt leben anstatt nur darüber zu reden“. Das sei gesellschaftlich alles andere als selbstverständlich.

Kirchentagspräsident verteidigt Ausschluss messianischer Juden

Wie Kirchentagspräsident Prof. Gerhard Robbers (Trier) erklärte, setze der Kirchentag Zeichen in der Ökumene und im interreligiösen Dialog: „Andere christliche und nicht-christliche Gemeinden laden uns ein. Wir gehen dorthin – in die Moscheen, in die Synagogen, in die Kirchen.“ Auf Nachfrage verteidigte Robbers den Ausschluss messianischer Juden – sie glauben an Jesus Christus als den Messias – vom Markt der Möglichkeiten. Bei der Entscheidung habe man sich auf einen gemeinsamen Beschluss des Rates der EKD und des Zentralrates der Juden bezogen und sich von der Überzeugung leiten lassen, „wonach Judenmission aus christlicher Sicht nicht richtig ist“. Sowohl aus historischen als auch aus theologischen Gründen sei dem Kirchentag wie der evangelischen Kirche das Verhältnis zu den Juden besonders wichtig. Mit Blick auf das Kirchentagsmotto „Soviel du brauchst“ betonte Robbers, dass es sich nicht nur auf Armut an materiellen Gütern beziehe, sondern auch auf Armut an Gemeinschaft, an Hoffnung und an religiöser Erfüllung: „Für mich ist diese Losung eine zutiefst religiöse Botschaft: ‚Soviel du brauchst’ an Gottesnähe.“

Ueberschär: Sehnsucht nach Gemeinschaft wächst

Nach Beobachtung der Generalsekretärin des Kirchentages, Ellen Ueberschär (Fulda), wächst die Sehnsucht zu singen, zu beten und gleichzeitig das Bedürfnis nach Diskussion. Der Kirchentag sei ein Ort, an dem dies geschehe: „Kirchentage leben aus der Gemeinschaft.“ Als Schwerpunkte des diesjährigen Protestantentreffens nannte sie neben dem interreligiösen Dialog die Themen Inklusion und verantwortungsvolles Wirtschaften. Der Landesbischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich (Schwerin), bezeichnete den Kirchentag als „immer fromm und immer politisch“: „Wer den Tag mit einer Bibelarbeit beginnt, kann nicht anders als sich in die Welt einzubringen.“ Das Kirchentagsprogramm umfasst mehr als 2.500 Veranstaltungen.