02.05.2013

34. Ev.Kirchentag: Entwidmete Kirchen zu Moscheen umwandeln?

Wenn der muslimische Halbmond vom Kirchturm grüßt

34. Ev.Kirchentag: Entwidmete Kirchen zu Moscheen umwandeln?

Wenn der muslimische Halbmond vom Kirchturm grüßt

Hamburg (idea) – Dürfen entwidmete Kirchen zu Moscheen umgewandelt werden? Über diese Frage diskutierte das Podium „Halbmond auf dem Kirchturm?“ am 2. Mai auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg. Zum Hintergrund: Das islamische Zentrum Al Nour (Das Licht) hatte im November 2012 die im Jahr 2002 entwidmete Kapernaum-Kirche im Stadtteil Hamburg-Horn erworben. Sie soll umgebaut und am 3. Oktober als Moschee eröffnet werden. Der Professor für Religionswissenschaft und interkulturelle Theologie, Perry Schmidt-Leukel (Münster), empfahl, entwidmete Kirchengebäude anderen Religionsgemeinschaften zu überlassen, etwa den Muslimen. Dies sei besser, als aus der Kirche einen Laden, ein Museum oder ein Gasthaus zu machen. So wie die evangelische Kirche anderen christlichen Konfessionen leerstehende Kirchen überlasse, müsse dies auch gegenüber Muslimen möglich sein. Die evangelische Kirche dürfe sie nicht verteufeln. Eine Moschee sei wie eine Kirche ein Gotteshaus, in dem zum selben Gott gebetet werde. Schmidt-Leukel: „Die eine göttliche Wirklichkeit kann auf vielfältige Art verehrt werden.“

Kirche muss Kriterien festlegen

Der Präsident des Evangelischen Kirchbautages, Hinrich Claussen (Hamburg), bezeichnete das Thema „Christentum und Islam“ als „sehr erregungsfähig“. Beteiligte würden schnell „Opfer kommunikativer Gewalt“. Das „Kultursymbol Kirche“ nehme Schaden, wenn man entwidmete Kirchen zweckentfremde, etwa wenn sie als Bettenlager oder von einer anderen Religionsgemeinschaft genutzt würden. Zugleich erfordere die Bevölkerungsentwicklung Kirchenschließungen. Die Kirche müsse deshalb Kriterien und Ausnahmen festlegen. Nach den Worten Claussens brauchen Muslime angemessene Räume, um sich in der Stadt zu präsentieren. Allerdings sei jedes muslimische Bauvorhaben mit viel Ärger verbunden, da sich sofort eine Bürgerinitiative dagegen gründe.

Imam: Wir übernehmen Kirchen nur im Notfall

Der Imam der Centrum Moschee Hamburg und Vorsitzende des Bündnisses Islamischer Gemeinden in Norddeutschland, Ramazan Ucar, erklärte, dass sein Verband keine Kirchen übernehmen wolle. Der Koran fordere in Sure 2,114 den Schutz von Gebetshäusern. Dies gelte nicht nur für Moscheen, sondern auch für Kirchen und Synagogen. Kirchen sollten Kirchen bleiben und mit Leben gefüllt werden. Eine Umwandlung zu einer Moschee könne leicht zu Konflikten führen und sollte deshalb möglichst vermieden werden. Zur geplanten Umwandlung der Kapernaum-Kirche in Hamburg Horn sagte Ucar, dieser Fall sei eine Ausnahme. Zuvor habe die Gemeinde acht Jahre lang erfolglos nach geeigneten Räumen gesucht. Derzeit feiere die Gemeinde ihre Gottesdienste in Kellerräumen. Von den 1,8 Millionen Hamburgern sind 30 Prozent evangelisch, 10 Prozent katholisch und 8 Prozent muslimisch. 52 Prozent haben ein anderes oder kein religiöses Bekenntnis. 2012 hatte die Hansestadt Hamburg als erstes Bundesland einen Vertrag mit den muslimischen und alevitischen Verbänden geschlossen. Danach dürfen sich Muslime an ihren religiösen Feiertagen künftig freinehmen und Aleviten den Religionsunterricht mit planen.