25.05.2013
Naher Osten: Christen fordern gleiche Rechte für alle Bürger
Kirchenführer gegen Gleichsetzung von Arabern mit Muslimen
Naher Osten: Christen fordern gleiche Rechte für alle Bürger
Kirchenführer gegen Gleichsetzung von Arabern mit Muslimen
Beirut (idea) - Christen im Nahen Osten wollen nicht als Minderheit betrachtet werden, sondern als wichtige Bevölkerungsgruppen in ihren Ländern. Dies haben mehr als 100 hochrangige Vertreter fast aller christlichen Kirchen in Syrien, Libanon, Irak, Jordanien und Ägypten sowie in den palästinensischen Autonomiegebieten bei einer Tagung vom 21. bis 25. Mai im Kloster Notre-Dame du Mont Monastery nahe Beirut gefordert. In einer Erklärung kritisieren sie eine in westlichen Staaten häufig gemachte Gleichsetzung von Arabern und Muslimen. Sie entspreche nicht der Realität. Zugleich fordern die Kirchenführer die muslimischen Mehrheiten in ihren Ländern auf, allen Bürgern gleiche Rechte zu gewähren. Die verbreitete Auffassung, kleinere religiöse Gruppierungen hätten unter dem Schutz einer auf den Islam ausgerichteten Staatsordnung zu stehen, müsse überwunden werden. In ihrer Erklärung räumen die Kirchenleiter ein, dass ihre Kirchen in der Vergangenheit mit undemokratischen Regimen Kompromisse gemacht und mitunter sogar kollaboriert hätten. Dazu sagte der Sprecher der Konferenz und Präsident der Nationalen Evangelischen Kirche in Beirut, Habib Badr: „Wir Kirchen des Nahen Ostens sind uns bewusst, dass unsere freie und öffentliche Existenz in der arabischen Welt nicht von Gnadenakten politischer Kräfte abhängt, sondern davon, dass wir unterdrückerische politische Systeme beim Namen nennen und hartnäckig auf einen Mentalitätswandel hinarbeiten.“
Islamisten sollen friedlichen Dialog ermöglichen
Die Konferenz appelliere an die islamistischen Bewegungen, auf Gewalt zu verzichten und einen friedlichen Dialog zu ermöglichen, um die Regeln des Zusammenlebens festzulegen. Zu der Konferenz „Christen im Mittleren Osten: Präsenz und Zeugnis“ hatten der Ökumenische Rat der Kirchen (Genf) eingeladen. Alle großen orthodoxen, orientalischen, katholischen und evangelischen Kirchen der Region, die im „Kirchenrat des Nahen Ostens“ (Middle East Council of Churches, MECC) zusammenarbeiten, nahmen daran teil. Viele Kirchen waren durch ihr geistliches Oberhaupt vertreten.
EMS-Generalsekretär: Klischees helfen Fanatikern
Nach Ansicht des Generalsekretärs der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS, früher: Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland), Jürgen Reichel (Stuttgart), hat die Konferenz gezeigt, dass es in allen Ländern starke Kräfte gebe, die auf eine Gesellschaftsordnung für ein Leben in Würde, Freiheit und Gleichheit aller Bürger hinarbeiteten. Man müsse allen Klischees über den Nahen Osten entgegentreten, die das Bild einer zuallererst von religiösen Zerwürfnissen geprägten Region zeichneten. Damit erleichtere man es Fundamentalisten und Fanatikern in allen Religionsgruppen, solche Spaltungen voranzutreiben.