28.05.2013
Deutschland: Muslimische Mitarbeiter in der evangelischen Kirche?
Kirchenpräsident Jung: Darüber wird an vielen Stellen diskutiert
Deutschland: Muslimische Mitarbeiter in der evangelischen Kirche?
Kirchenpräsident Jung: Darüber wird an vielen Stellen diskutiert
Frankfurt am Main/Darmstadt (idea) – Werden in den evangelischen Landeskirchen künftig auch Nichtchristen angestellt, etwa muslimische Erzieherinnen? Darüber werde „an vielen Stellen im Stillen debattiert“, sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung (Darmstadt), in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau. Jung ist seit 2010 Vorsitzender der EKD-Kammer und Migration und Integration. Er hatte im April mit seiner Anregung für Aufsehen gesorgt, in Einrichtungen der hessen-nassauischen Kirche auch Muslime zu beschäftigen. „Die interkulturelle und interreligiöse Öffnung in den Arbeitsverhältnissen ist ein Prüfstein für das evangelische Verständnis von Toleranz“, erläuterte er vor der Synode. Aus einer „Kirche für andere“ sollte eine „Kirche mit anderen“ werden. Bisher müssen Beschäftigte in evangelischen Einrichtungen in der Regel einer Kirche angehören. Wie Jung nun in dem Interview näher ausführte, werde „die Identität evangelischer Kirche ganz wesentlich in der Konfessionszugehörigkeit der Mitarbeitenden gesehen“. Wenn künftig die Identität nicht länger ausschließlich so definiert werde, sei dies „ein echter Paradigmenwechsel“. In Hessen-Nassau sei man dabei, diesen Prozess voranzutreiben.
Durch Muslime das eigene kirchliche Profil schärfen
Jung zufolge können schon heute Muslime unter besonderen Voraussetzungen in evangelischen Kindertagesstätten beschäftigt werden, nämlich wenn sie das Konzept der Einrichtung mittragen. Er rechnet damit, dass das evangelische Profil einer Kindertagesstätte sogar geschärft werde, wenn evangelische Kinder mitbekommen, „wie muslimische Kinder ihre Feste feiern“. Es werde sich so ein „tieferes Verständnis für das Eigene“ herausbilden. Ob muslimische Mitarbeiterinnen dann auch ein Kopftuch tragen könnten, müsse die jeweilige Einrichtung gemeinsam mit der jeweiligen Erzieherin herausfinden. Auch in diakonischen Einrichtungen sieht Jung Beschäftigungsmöglichkeiten für Nichtchristen. Schon heute gebe es gerade im Osten Deutschlands viele Einrichtungen, die ohne konfessionslose Mitarbeiter nicht arbeitsfähig wären. Jung schlägt vor, deren Zahl zu ermitteln. Das wäre ein Zeichen der Transparenz. In der hessen-nassauischen Kirche gibt es 600 Kindergärten mit 40.000 Plätzen. 40 Prozent der dort betreuten Kinder sind evangelisch, 16 Prozent römisch-katholisch, 13 Prozent muslimisch und 19 Prozent konfessionslos.