29.11.2013

Zentralafrikanische Republik: Ein Völkermord droht

Muslimische Milizen bekämpfen Christen – Bürgerwehren schüren weitere Gewalt

Zentralafrikanische Republik: Ein Völkermord droht

Muslimische Milizen bekämpfen Christen – Bürgerwehren schüren weitere Gewalt

Bangui (idea) – Die Zentralafrikanische Republik versinkt in Chaos, Anarchie und Bürgerkrieg. Radikal-islamische Gruppen bekämpfen Christen mit brutaler Gewalt. Diese können nach Angaben der Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz ihres Lebens nicht mehr sicher sein. In einigen Regionen haben sie Bürgerwehren geschaffen, die aber weitere Gewalt geschürt haben. Ein Völkermord ist nicht auszuschließen. Hunger und Armut nehmen überhand. Mindestens 3.500 Kinder sind als Soldaten im Einsatz. Die internationale Gemeinschaft ist aufgerufen, humanitäre und politisch-militärische Hilfe zu leisten, um das Land zu stabilisieren. Die Afrikanische Union hat bereits 3.600 Soldaten und Polizisten im Land; Frankreich als frühere Kolonialmacht in Äquatorialafrika bereitet einen Militäreinsatz vor. Nach UN-Angaben haben rund 400.000 der insgesamt 4,9 Millionen Einwohner ihre Wohnungen verlassen; etwa 60.000 sind in Nachbarländer geflohen.

Kirchenleiter bitten um Militäreinsatz

Im März hatte das mehrheitlich islamische Rebellenbündnis „Seleka“ (Allianz) Staatspräsident Francois Bozize gestürzt und vertrieben. Der neue Staatschef Michel Djotodia löste die Seleka auf, doch verüben ihre Kämpfer weiter Gewalttaten, vor allem an Christen. Pastoren wurden umgebracht, Frauen vergewaltigt und Kirchen zerstört. Besonders im Norden und Nordwesten des Landes richteten Christen Bürgerwehren ein, um sich zu schützen. Doch Mitglieder der „Anti-Balaka-Milizen“ übten auch Rache an Muslimen. Dadurch heizten sie die Gewalt weiter an. Leiter verschiedener Kirchen und christlicher Dachverbände, darunter der Präsident der Evangelischen Allianz, Nicolas Guerekoyame Gbangouon (Bangui), haben die internationale Staatengemeinschaft in einer gemeinsamen Erklärung um schnelle humanitäre und militärische Hilfe gebeten. Eine UN-Friedenstruppe sollte die Rebellen entwaffnen und die Zivilbevölkerung vor weiteren Ausschreitungen schützen.

Wertvolle Rohstoffe – armes Land

Trotz ihres Reichtums an Rohstoffen, besonders Diamanten, ist die Zentralafrikanische Republik eines der ärmsten Länder Afrikas. Die Lebenserwartung liegt unter 50 Jahren, die Kindersterblichkeitsrate beträgt mancherorts 25 Prozent. Katholiken und Protestanten stellen jeweils rund 25 Prozent der Bevölkerung; 15 Prozent sind Muslime und der Rest Anhänger von Naturreligionen.