16.04.2014

Deutschland: Türen blieben verschlossen

„Bibelblitz“: Gideon-Mitglieder verteilen 30.000 Bibeln Probleme an Schulen im Rhein-Main-Gebiet

Deutschland: Türen blieben verschlossen

„Bibelblitz“: Gideon-Mitglieder verteilen 30.000 Bibeln

Probleme an Schulen im Rhein-Main-Gebiet

Frankfurt am Main (idea) – Über 30.000 Bibeln haben Mitglieder des Internationalen Gideonbundes sowie deren Ehefrauen bei einer viertägigen Aktion im Rhein-Main-Gebiet verteilt. 159 ehrenamtliche Mitarbeiter aus ganz Deutschland beteiligten sich an dem „Bibelblitz“. Sie besuchten 800 Arztpraxen, 54 Krankenhäuser, 148 Seniorenheime und Behinderteneinrichtungen sowie 448 Hotels im Großraum Frankfurt am Main. Die Reise- und Unterbringungskosten finanzierten sie aus der eigenen Tasche. „Unsere Mitglieder haben beim Verteilen viele gute Gespräche über den christlichen Glauben geführt. In einigen Fällen waren sogar seelsorgerliche Gespräche möglich“, sagte der Organisator der Aktion, der pensionierte Schulamtsdirektor Jürgen Thielmann (Breidenbach/Mittelhessen), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Vor Schulen: Junge Musliminnen baten um Bibeln

Überschattet wurde die Aktion, weil die Bibel an keiner der 112 Schulen in der Region weitergegeben werden durfte. In früheren Jahren konnten die Gideon-Mitglieder die Ausgaben häufig sogar im Unterricht verschenken. Wegen des Verbots sei man deshalb auf die Bürgersteige vor den Schulen ausgewichen, so Thielmann. Einige Pädagogen hätten die Verteilung aber auch dort verhindern wollen. Manche Schüler seien mit der Haltung ihrer Lehrer nicht einverstanden gewesen und hätten deshalb um eine Bibel gebeten. Laut Thielmann zeigten besonders junge muslimische Schülerinnen – teilweise mit Kopftuch – großes Interesse.

Kulturministerium: Schulen zur Neutralität verpflichtet

Wie das Hessische Kulturministerium auf idea-Anfrage mitteilte, ist es in das Ermessen der Schulleiter gestellt, ob die Verteilung von Bibeln genehmigt wird. Allerdings gelte bei staatlichen Einrichtungen das Neutralitätsgebot gegenüber Religionsgemeinschaften, sagte Pressesprecher Christian Henkes (Wiesbaden). Nach seiner Einschätzung sind Schulen in Hessen aber „keine bibelfreien Zonen“. Es gebe verschiedene Bibelausgaben – auch solche in moderner Übertragung, die leichter verständlich seien als die Gideon-Bibeln. Privat begegne er solchen Verteilaktionen aber mit großer Wertschätzung: „Als Schüler habe ich selber einmal eine Gideon-Bibel erhalten: Die besitze ich immer noch.“ Der deutsche Zweig der nach dem alttestamentlichen Richter Gideon benannten Vereinigung hat über 4.200 Mitglieder, die jährlich über eine halbe Million Bibeln verbreiten. Nach Angaben des Geschäftsführers der Organisation, Johannes Wendel (Wetzlar), wurden seit dem Start der Arbeit Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts in Deutschland 21 Millionen Exemplare weitergegeben. Vorsitzender des deutschen Zweiges ist der Diplom-Betriebswirt Siegfried Lambeck (Wermelskirchen bei Köln), der vor seiner Pensionierung Geschäftsführer von mehreren Versandhandelsunternehmen war.