16.04.2014

Syrien: Kein Lebenszeichen von syrischen Erzbischöfen

Katar soll helfen, die vor fast einem Jahr geschehene Entführung aufzuklären

Syrien: Kein Lebenszeichen von syrischen Erzbischöfen

Katar soll helfen, die vor fast einem Jahr geschehene Entführung aufzuklären

Göttingen (idea) – Vor fast einem Jahr wurden zwei Kirchenleiter in Syrien verschleppt. Von dem syrisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo, Mor Gregorios Yohanna Ibrahim, und seinem griechisch-orthodoxen Amtsbruder Boulos Yazigi fehlt seit dem 22. April 2013 jede Spur. Das Emirat Katar am Persischen Golf soll jetzt bei der Aufklärung ihres Schicksals helfen. Diesen Aufruf hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an den Emir, Scheich Tarmin bin Hamad Al Thani (Doha), gerichtet. Viele Christen seien in Sorge um die Erzbischöfe, schreibt Generalsekretär Tilman Zülch (Göttingen). Die Regierung von Katar habe großen Einfluss auf die Rebellen im syrischen Bürgerkrieg. Sie habe bereits bei der Freilassung von 13 griechisch-orthodoxen Nonnen am 9. März geholfen. Die radikal-islamische Nusra-Front hatte sie am 2. Dezember aus dem Thekla-Kloster im Wallfahrtsort Maalula entführt. Die verschollenen Erzbischöfe waren auf dem Weg von Aleppo nach Al Mansura, um über die Freilassung eines entführten Priesters zu verhandeln. Dabei gerieten sie in einen Hinterhalt. Ihr Fahrer, ein Diakon, wurde erschossen. Bisher hat sich niemand zu der Tat bekannt.

Extremisten richten Christen und Kurden hin

Die Region um Aleppo ist zwischen Regierungstruppen und radikal-islamischen Rebellen umkämpft. Der GfbV zufolge ist bekannt, dass Gruppen wie die Nusra-Front oder der „Islamische Staat im Iran und Syrien“ (ISIS) immer wieder Christen und Kurden entführen und hinrichten lassen. Unter den Rebellen seien auch Ausländer. Die sunnitisch dominierten Regierungen von Katar, der Türkei und Saudi-Arabien unterstützten die Aufständischen mit Geld und Waffen. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad erhalte Rückendeckung aus dem schiitischen Iran. Die religiösen Minderheiten, darunter die Christen, gerieten zwischen die Fronten. Von den 21 Millionen Einwohnern Syriens waren vor dem Bürgerkrieg 90 Prozent Muslime und 6,3 Prozent Christen, davon jeweils drei Prozent Katholiken und Orthodoxe plus kleine Gruppen von Protestanten. Die übrige Bevölkerung bestand aus Nichtreligiösen oder Anhängern anderer Religionen.