17.04.2014

Deutschland/Türkei: Protest gegen Theaterstück

Türken protestieren gegen Theaterstück über Völkermord an Armeniern

Deutschland/Türkei: Protest gegen Theaterstück

Türken protestieren gegen Theaterstück über Völkermord an Armeniern

Konstanz (idea) – Trotz heftiger Proteste türkischstämmiger Bürger wird in Konstanz ein Theaterstück über die Ermordung von 1,5 Millionen christlichen Armeniern im Osmanischen Reich aufgeführt. „Das Märchen vom letzten Gedanken“ steht bis Ende April auf dem Spielplan. Allerdings seien die Besucherzahlen enttäuschend, teilten die Verantwortlichen mit. Als Grund nannten sie Demonstrationen und den Polizeischutz für die Premiere. Dies habe bei vielen regelmäßigen Theaterbesuchern Angst ausgelöst. Der Protest richtete sich insbesondere gegen das Plakat. Es zeigte die türkische Flagge über einem Leichnam und ein Zitat des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan: „In unserer Geschichte wurde kein Völkermord begangen.“ Die Türkei leugnet offiziell den Massenmord in den Jahren 1915 und 1916 und bestraft Journalisten, die über die Verbrechen sprechen. Der türkische Generalkonsul in Baden-Württemberg, Serhat Aksen (Karlsruhe), verlangte, dass bei jeder Aufführung ein Protestschreiben verlesen oder verteilt wird. Seiner Ansicht nach ist die Verwendung des Begriffs „Völkermord“ rechtlich problematisch, da kein Gericht einen solchen Straftatbestand festgestellt habe. Um die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen, ließ Intendant Christoph Nix die Plakate durch neutrale Informationen ersetzen sowie den Brief des Konsuls bei der Premiere verlesen und anschließend auf der Internetseite des Theaters veröffentlichen. Ansonsten stellte er klar, „dass die gezielten Massaker an den Armeniern 1915 ein Völkermord waren“. Es gehe ihm jedoch nicht um juristische Feinheiten, sondern darum, sich in die Situation von leidenden Menschen zu versetzen.

Kein Einzelfall

Zuvor gab es bereits wiederholt Proteste gegen die Erinnerung an den Völkermord. Im Mai 2011 hatten griechische und assyrische Vereine in Räumen der Universität Stuttgart eine Veranstaltung über die „Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich“ geplant. Nach „enormem Protest aus Berlin“ verbot die Universität die Veranstaltung. 2009 versuchten Türken in Potsdam, die Errichtung einer Gedenkstätte für den evangelischen Pfarrer Johannes Lepsius (1858–1926) zu verhindern. Lepsius hatte die Verbrechen an den Armeniern dokumentiert. Von den rund 77 Millionen Einwohnern der Türkei haben rund 60.000 armenische Wurzeln.