22.04.2014
Südsudan: Versinkt im Bürgerkrieg
EKD-Beauftragter: Kirchen sind die einzigen glaubwürdigen Vermittler
Südsudan: Versinkt im Bürgerkrieg
EKD-Beauftragter: Kirchen sind die einzigen glaubwürdigen Vermittler
Juba/Berlin (idea) – Der Südsudan, eines der ärmsten Länder der Welt, versinkt im Chaos und Bürgerkrieg. Weit über 10.000 Menschen sind bereits getötet worden; rund eine Million sind auf der Flucht. Das gemischt religiöse afrikanische Land hatte erst 2011 nach jahrzehntelangen blutigen Konflikten im islamisch dominierten Sudan seine Unabhängigkeit erhalten. Doch jetzt ist ein Machtkampf entbrannt, bei dem sich Angehörige unterschiedlicher Volksgruppen bekämpfen: Präsident Salva Kiir gehört den Dinka an, sein Rivale, der ehemalige Vizepräsident Riek Machar, den Nuer. In der Karwoche verübten Machars Rebellen in Bentui, der Hauptstadt des ölreichen Bundesstaats Unity, ein Massaker, bei dem hunderte Männer, Frauen und Kinder getötet wurden. Die Kämpfer griffen gezielt ein Krankenhaus, eine Moschee und eine katholische Kirche an, wo Zivilisten Schutz gesucht hatten. Beobachtern zufolge geht es um die Kontrolle über die ölreichen Regionen des Landes. Von den etwa 8,3 Millionen Einwohnern des Südsudans sind rund drei Viertel Christen, 2,2 Prozent Muslime und die meisten anderen Anhänger von Stammesreligionen.
Hungersnot und Cholera drohen
Der Beauftragte des Rates der EKD für den Sudan und den Südsudan, Oberkirchenrat i.R. Volker Faigle (Berlin), warnt vor der Gefahr eines Völkermords. Von Tag zu Tag verschlechtere sich die Lage dramatisch: „Friedensverhandlungen im äthiopischen Addis Abeba wurden zum wiederholten Mal vertagt; ein bereits im Januar vereinbarter Waffenstillstand wurde von keiner Seite respektiert. Schwerste Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung.“ Die Kirchen seien die letzte gesellschaftspolitisch anerkannte Kraft, die als glaubwürdiger Vermittler auftreten könne. Faigle hat Mitte April an einer Konsultation mit Kirchenführern aus dem Südsudan in Nairobi (Kenia) teilgenommen. Dort hätten Kirchenführer über ihre Friedensvermittlung informiert und auf die katastrophale humanitäre Lage hingewiesen. Die verzweifelten Kriegsopfer brauchten dringend Hilfe. Es drohe eine Hungersnot. Außerdem bestehe die Gefahr, dass in Flüchtlingslagern Cholera und andere Krankheiten ausbrechen. Die Weltweite Evangelische Allianz hatte bereits im Dezember die Konfliktparteien zu einem sofortigen Waffenstillstand und zur Aufnahme des Dialogs aufgerufen. Zahlreiche evangelikale Kirchen seien im Südsudan missionarisch tätig.