25.04.2014

Deutschland/Neuss: CDU-Kandidat wirbt mit islamischen Halbmond

Der EAK-Landesvorsitzende Klein findet das falsch

Deutschland/Neuss: CDU-Kandidat wirbt mit islamischen Halbmond

Der EAK-Landesvorsitzende Klein findet das falsch

Neuss (idea) - In Nordrhein-Westfalen sorgt Werbematerial mit einem islamischen Halbmond im CDU-Logo für Aufregung. Der türkischstämmige Christdemokrat Yasar Calik kandidiert für den Stadtrat von Neuss bei Düsseldorf. Er hat kürzlich Taschen verteilt, auf denen in das „C“ ein roter Halbmond mit Stern integriert wurde. Die Mondsichel ist Teil der türkischen Nationalflagge. Zum ersten Mal tauchte sie im elften Jahrhundert auf, als Muslime Kathedralen eroberten, Kreuze zerstörten und durch den Halbmond ersetzten. Die Kommunalwahlen finden in Nordrhein-Westfalen zeitgleich mit der Europawahl am 25. Mai statt. Der Landesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU, der Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein (Siegen), sagte auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass das CDU-Logo klar wiedererkennbar und frei von missverständlichen Ergänzungen sein müsse: „Deshalb finde ich den vom ,C‘ der CDU umschlossenen Halbmond in der Wahlaktion Yasar Caliks falsch.“ Die Idee sei sicher gut gemeint: „Innerhalb der CDU haben sich Menschen zusammengefunden, die Verantwortung in unserem Land übernehmen und das auf der Basis des christlichen Menschenbilds tun. Das ist unabhängig davon, ob man die christliche Glaubensbasis teilt oder nicht. Die gemeinsame Bezugnahme auf das christliche Menschenbild ist die Klammer für alle.“ Genau das habe Calik offensichtlich mit seiner Aktion symbolisieren wollen: „Das ist aber danebengegangen.“

CDU-Beisitzer: „Niemand wird am Kirchgang gehindert“

Die Sprecherin der NRW-CDU, Julika Lendvai (Düsseldorf), bezeichnete den in den sozialen Netzwerken geäußerten Vorwurf, dass eine Muslimisierung der CDU drohe, gegenüber idea als „abwegig“. Wie die CDU Neuss auf ihrer Internetseite mitteilte, wurde die Verteilung der Taschen gestoppt. Ihr Vorsitzender Jörg Geerlings sagte, dass die CDU Politik auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes gestalte. Man sei für alle Bürger offen, ohne Ansehung ihres Glaubens und ihrer Abstammung, und man verzeihe Fehler, die korrigiert wurden. Tobias Goldkamp, Beisitzer der CDU Neuss, wies Gerüchte zurück, im Wahlkreis sei gezielt ein Kandidat christlichen Glaubens verhindert worden. Er selbst habe eine Kandidatur aus Zeitgründen abgelehnt. Er sehe keinen Grund, an der Treue der örtlichen CDU zu den christlichen Werten zu zweifeln: „Niemand wird dadurch am Kirchgang gehindert, dass von den 29 Direktkandidaten der CDU auch eine Person islamischen Glaubens ist.“ Im Team der Union seien zudem viele kirchlich Engagierte. Zuletzt hatte es vor einem Jahr Diskussionen über die Offenheit der NRW-CDU zu Muslimen gegeben. Damals war die Muslima Cemile Giousouf (Hagen) als erste türkischstämmige Abgeordnete der CDU in den Bundestag eingezogen. Sie hatte sich zuvor bei einer Kampfkandidatur um einen aussichtsreichen Listenplatz gegen die Katholikin und fünffache Mutter Sylvia Pantel (Wahlkreis Düsseldorf Süd) durchgesetzt.