25.04.2014
Türkei: Kritik an türkischer Rechtsprechung
Gedenkgottesdienste: Gerechtigkeit ist noch nicht geschehen
Türkei: Kritik an türkischer Rechtsprechung
Gedenkgottesdienste: Gerechtigkeit ist noch nicht geschehen
Malatya (idea) – Am siebten Jahrestag der Ermordung von drei Christen im osttürkischen Malatya hat die Vereinigung Evangelischer Kirchen in der Türkei Kritik an der Rechtssprechung des Landes geübt. Am 18. April 2007 waren zwei Mitarbeiter des christlichen Zirve-Verlags, Necati Aydin und Ugur Yuksel, sowie der Deutsche Tilmann Geske umgebracht worden. Fünf mutmaßliche Täter hatten die drei gefesselt, gefoltert und ihnen die Kehle durchgeschnitten. Sie wurden unmittelbar nach der Tat verhaftet. An zwei Erinnerungsgottesdiensten an Karfreitag an den Gräbern von Yuksel in Elazig (bei Malatya) und Geske in Malatya nahmen Presseberichten zufolge Hunderte Christen aus dem ganzen Land teil. Dabei kritisierte der Pressesprecher der Vereinigung Evangelischer Kirchen, Soner Tufan (Izmir), dass in dem Fall bis heute kein Urteil ergangen sei: „Gerechtigkeit ist noch nicht geschehen.“ Die Hauptangeklagten wurden nach einer Gesetzesänderung im Februar freigelassen. Das neue Gesetz besagt, dass die maximale Untersuchungshaftzeit nur noch fünf Jahre dauern darf. Die Angeklagten stehen seitdem unter Hausarrest. Vier tragen elektronische Fußfesseln, der fünfte muss sich täglich telefonisch bei der Polizei melden. Inzwischen wurde ein neuer Richter ernannt. Ein neues Verfahren soll im Juni beginnen.
Christen in Malatya weihen erstmals ein Gemeindehaus ein
Im Anschluss an die Gottesdienste auf den Friedhöfen weihte die evangelische Gemeinde von Malatya, der die drei Ermordeten angehörten, ihr erstes Zentrum ein. Bisher hatten sich die 25 Mitglieder in Privatwohnungen versammelt. Nun hat die Gemeinde in einem Wohnblock in der Innenstadt im Erdgeschoss eine Wohnung angemietet und zur Versammlungsstätte umgebaut. Die Türkei hat rund 75 Millionen Einwohner, von denen 95 Prozent Muslime sind. Die Zahl der Christen liegt bei 120.000; darunter sind etwa 4.000 Evangelikale.