28.04.2014

Iran: Politische und religiöse Gefangene misshandelt

Unter den Opfern sind ein Pastor und ein Menschenrechtsaktivist

Iran: Politische und religiöse Gefangene misshandelt

Unter den Opfern sind ein Pastor und ein Menschenrechtsaktivist

Teheran (idea) – Im Teheraner Evin-Gefängnis haben Vollzugsbeamte mehr als 30 politische und religiöse Gefangene schwer misshandelt. Unter den Opfern sind ein evangelikaler Pastor und ein Menschenrechtsaktivist, der als Jurist auch verfolgte Christen vertreten hat. Am 17. April führten rund 100 Sicherheitsbeamte brutale Zellendurchsuchungen in der Abteilung 350 des Gefängnisses durch. Dabei wurden dem Hauskirchenleiter Farshid Fathi Fuß- und Zehenknochen gebrochen, wie die Menschenrechtorganisation Christliche Solidarität Weltweit (CSW) berichtet. Fathi – Vater von zwei Kindern – wurde im Februar 2012 wegen angeblicher Verbindungen zu ausländischen Organisationen zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der frühere Muslim leitete ein Netzwerk von Hausgemeinden. Ein weiteres Opfer der Misshandlungen im Evin-Gefängnis war der Träger des Nürnberger Menschenrechtspreises Abdolfattah Soltani. Er hat sich nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (Frankfurt am Main) auch für ehemalige Muslime eingesetzt haben, die wegen ihres Übertritts zum Christentum verfolgt werden. Soltanis Tochter Maede Soltani, die in Nürnberg lebt, erklärte zu dem Vorfall: „Der Geheimdienst will meinen Vater, wie auch die anderen politischen Gefangenen, demütigen und erniedrigen.“

Häftlinge im Hungerstreik

Nach den Misshandlungen traten 33 Häftlinge nach Angaben des Informationsdienstes „Transparency for Iran“ (Transparenz für Iran) in den Hungerstreik. 28 Gefangene wandten sich in einem aus dem Gefängnis geschmuggelten Schreiben direkt an Staatspräsident Hassan Ruhani. Im Iran sitzen mindestens 40 Christen wegen ihres Glaubens in Haft. Die Behörden gehen weiter gegen christliche Gemeinden vor. So dürfen die Immanuel- und die St. Peters-Kirche in Teheran keine Gottesdienste in der Landessprache Farsi mehr abhalten. Die Gesamtzahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es im Iran bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.

Lange Haftstrafen für Baha’i

Auch die Gemeinschaft der Baha’i muss weiterhin unter Repressalien leiden. In zweiter Instanz bestätigte jetzt ein Gericht in Yazd langjährige Haftstrafen gegen neun Frauen und elf Männer. Sie waren vor zwei Jahren wegen „Ausübung ihrer Religion“ zu Freiheitsstrafen zwischen zwei und fünf Jahren verurteilt worden. 500 Mitglieder der Baha’i hatten im März in einem Offenen Brief an die Großayatollahs mehr Sicherheit und Schutz für religiöse Minderheiten gefordert. Laut „Transparency for Iran“ (Berlin) sind seit 2005 etwa neun Baha’i-Anhänger getötet sowie 50 körperlich angegriffen worden. Dutzende befänden sich im Gefängnis. Im Iran leben mehr als 300.000 Baha’i; sie werden ebenso verfolgt wie etwa ehemalige Muslime, die Christen geworden sind. Der Iran ist das Ursprungsland des Baha’itums. Seine Anhänger berufen sich auf den Religionsstifter Baha‘ullah (1817-1892). Im Mittelpunkt steht der Glaube an einen transzendenten Gott, die mystische Einheit der Religionen und die Einheit der Menschheit. Von den 76,4 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime.