28.04.2014

Ukraine/Deutschland: Im Schatten der Ukraine-Krise

„Licht im Osten“ befürchtet Erschwernisse in Zentralasien

Ukraine/Deutschland: Im Schatten der Ukraine-Krise

„Licht im Osten“ befürchtet Erschwernisse in Zentralasien

Korntal (idea) – Die Beteiligung von Christen an der Übergangsregierung der Ukraine wird sich möglicherweise negativ auf die Missionsarbeit in Zentralasien auswirken. Das befürchtet der Leiter des Missionsbundes Licht im Osten, Pfarrer Johannes Lange (Korntal bei Stuttgart). Er sprach auf der Jahreskonferenz am 26. und 27. April in Korntal. In der Ukraine amtiert seit dem 23. Februar Alexander Turtschinow als Interims-Präsident. Der 53-Jährige ist einer der geistlichen Leiter einer Baptistengemeinde in der Hauptstadt Kiew. In den Medien der zentralasiatischen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion würden die Machthaber in Kiew als Terroristen bezeichnet, die den gewählten Präsidenten Viktor Janukowitsch gestürzt hätten, so Lange. Sie betrachteten Beteuerungen von Christen als widerlegt, sich nicht in die Politik einzumischen. Bei den Demonstrationen auf dem Kiewer Maidan-Platz hätten sie ihr wahres Gesicht gezeigt, heiße es in den islamisch geprägten Staaten. Laut Lange haben die dortigen Medien die Propaganda des russischen Staatsfernsehens übernommen. Dies könne die Missionsarbeit in Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan erschweren. Bereits jetzt wirkten sich die Vorgänge in der Ukraine auf „Licht im Osten“ aus. Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim gebe es rund 1.000 Abonnenten der vom Missionswerk herausgegebenen Zeitschriften „Tropinka“ und „Glaube und Leben“. Sie könnten nicht mehr von Kiew aus beliefert werden. Der Versand erfolge künftig über die Nordossetische Mission, die ihren Sitz in der Hauptstadt der russischen Kaukasus-Republik Ossetien, Wladikawkas, hat. Ein Missionarsehepaar, das während der Unruhen auf der Krim die Ukraine verlassen hatte, könne ab Mai seine Arbeit unter den Tataren fortsetzen. Die russischen Behörden hätten die nötigen Visa zugesagt, teilte Lange mit.

Ukrainer: Unser Volk hat viel Schuld auf sich geladen

Die Leiter der ukrainischen und russischen Partnerorganisationen von Licht im Osten, Wassilij Dawidjuk (Kiew), und Pjotr Lunitschkin (St. Petersburg), riefen zum Gebet für ihre Länder auf. Christen sollten um Frieden bitten, ohne parteiisch zu sein. Dawidjuk zufolge haben die gegenwärtigen Unruhen eine geistliche Dimension: „Gott will uns zeigen, wie viel Schuld unser Volk auf sich geladen hat.“ Als Beispiele nannte er gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea die hohe Zahl an Abreibungen, ein erschreckendes Ausmaß an Korruption, die Verbreitung von Okkultismus in staatlichen Medien und propagierte Homosexualität. Dawidjuk zeigte sich überzeugt, dass kirchliche Bußpredigten viele Menschen zum Nachdenken bringen. Allein seine Organisation habe auf dem Maidan über 50.000 Johannes-Evangelien verteilt. Lunitschkin sagte, dass unter anderem durch die staatlich gelenkten Medien bei den meisten Russen ein Schwarz-Weiß-Denken vorhanden sei. Es gebe nur gute Russen und ausländische Feinde. Dieses Denken werde jetzt um eine „Zurück zur Sowjetunion“- Stimmung ergänzt. Meinungsumfragen hätten ergeben, dass sich etwa 70 Prozent der Bevölkerung nach den alten Verhältnissen sehnten. Dabei brauche Russland nichts dringender als eine geistliche Erneuerung, um seine sozialen und materiellen Probleme in den Griff zu bekommen.

Kinderzeitschrift „Tropinka“ in acht Sprachen

Licht im Osten“ wurde 1920 in Wernigerode im Harz gegründet, um unter den einstigen russischen Kriegsgefangenen und unter den Völkern der Sowjetunion die biblische Botschaft auszubreiten. Später zog das Werk nach Korntal um und weitete seine Arbeit auf den gesamten kommunistischen Ostblock aus. In den 70er und 80er Jahren schmuggelten Mitarbeiter Tausende von Bibeln durch den Eisernen Vorhang. Zu seinen heutigen Aufgaben gehört neben der Unterstützung von Partnermissionen die Herstellung von Bibeln, theologischer Literatur, Lebensbeschreibungen und Zeitschriften in über 30 Sprachen. Bestseller ist das russischsprachige Zwei-Monats-Magazin „Glaube und Leben“ mit einer Auflage von 96.000 Exemplaren sowie die Kinderzeitschrift „Tropinka“, die in acht Sprachen erscheint und mehr als 1,5 Millionen Leser erreicht. Außerdem fördert der Missionsbund soziale Projekte, darunter ein Alphabetisierungsprogramm für bulgarische Roma, ein Flüchtlingslager im Kaukasus und ein Kinderheim in St. Petersburg. Vorsitzender ist der württembergische Pfarrer Martin Hirschmüller (Korntal-Münchingen).