29.04.2014
China: Behörden reißen neue Kirche ab
Die Gemeindemitglieder protestierten mit einer Sitzblockade
Wenzhou (idea) – In China haben die Behörden trotz heftiger Proteste von Christen mit dem Abriss einer großen Kirche begonnen. Die Sanjiang-Gemeinde in der ostchinesischen Stadt Wenzhou hatte das 50 Meter hohe Gebäude in den vergangenen sechs Jahren mit Eigenmitteln von umgerechnet rund drei Millionen Euro errichtet. Nach Angaben des Bauamtes verstößt der Bau mit rund 2.000 Sitzplätzen gegen die Bauvorschriften. Beobachter vermuten jedoch, dass den kommunistischen Behörden das weithin sichtbare Gotteshaus mit Kreuzen als Zeichen des wachsenden Christentums ein Dorn im Auge ist. Mit einer Sitzblockade hatten die Gemeindemitglieder mehrere Wochen lang gegen den geplanten Abriss protestiert und das Gebäude bewacht. Sie sollen Mitteilungen in Sozialen Netzwerken zufolge Drohungen erhalten haben. Zunächst wurden vier Stockwerke eines Anbaus abgerissen. Am 28. April rückten die Abrissmaschinen auch dem Hauptgebäude zuleibe. Die Gemeinde ist zwar behördlich registriert, gehört aber dem staatlich anerkannten Dachverband, der sogenannten Drei-Selbst-Bewegung, nicht an. Wenzhou hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der größten christlichen Zentren in der Volksrepublik entwickelt. Die 9,1 Millionen Einwohner zählende Stadt ist auch unter dem Namen „Jerusalem Chinas“ bekannt. Dort sollen bis zu einer Million Christen leben. Genaue Angaben über die Gesamtzahl der Christen unter den 1,3 Milliarden Einwohnern Chinas existieren nicht. Die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften spricht von 29 Millionen in staatlich anerkannten Gemeinden – 23 Millionen Protestanten und sechs Millionen Katholiken. Nicht berücksichtigt sind dabei die romtreuen Katholiken und jene protestantischen Hausgemeinden, die sich nicht der Kontrolle des Staates unterwerfen wollen. Schätzungen ausländischer Experten gehen von insgesamt bis zu 130 Millionen Christen aus.
AKREF: siehe auch Artikel vom 8. und 25.4.2014