30.04.2014

Türkei/Deutschland: Pfarrerverband befremdet über Erdogans „Pastoren“-Kritik

Der Premier äußerte sich abfällig über Gaucks Vergangenheit als Geistlicher

Türkei/Deutschland: Pfarrerverband befremdet über Erdogans „Pastoren“-Kritik

Der Premier äußerte sich abfällig über Gaucks Vergangenheit als Geistlicher

Westerstede (idea) – Befremdet über die Kritik des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan an Bundespräsident Joachim Gauck hat sich der Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland geäußert. Erdogan hatte am 29. April Gauck vorgeworfen, sich mit seinen kritischen Worten über Demokratiedefizite in der Türkei in die inneren Angelegenheiten des Landes eingemischt zu haben. Der türkische Premier: „Der deutsche Staatspräsident denkt wohl, er sei immer noch ein Pastor.“ Aus diesem Verständnis schaue er auf die Dinge: „Das geht nicht. Das ist hässlich.“ Gauck hatte von 1967 bis 1990 als Pastor Mecklenburg gewirkt. Der Vorsitzende des Pfarrerverbandes, Andreas Kahnt (Westerstede), wies Erdogans Kritik zurück. Auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte er: „Der deutsche Bundespräsident denkt nicht nur, er sei immer noch Pastor, aufgrund seiner Ordination ist er es auch, selbst wenn seine Ordinationsrechte ruhen.“ Vor allem sei Gauck aber Christ. Aus diesem Verständnis denke und rede er, wie es allen Christen aus evangelischer Sicht gut anstehe. Kahnt: „Christliches Denken schließt keinen Bereich gesellschaftlicher oder politischer Verhältnis aus.“ Außerdem schaue Gauck als Präsident eines demokratischen Staates mit einem entsprechenden Grundverständnis auf Politik und Gesellschaft: „Als authentische Person aufzutreten, ist weder unangemessen noch ‚hässlich‘. Unangemessen ist aber in jedem Falle die Verbindung christlichen Glaubens und Denkens mit dem Begriff ‚Hässlichkeit‘.“

Verband: Wir freuen uns, dass ein Pfarrer Bundespräsident ist

Kahnt zufolge ist die Präsenz religiöser Persönlichkeiten in Politik und Gesellschaft in den meisten Ländern selbstverständlich. Der Verband – er hat rund 21.000 Mitglieder – freue sich, dass ein evangelischer Pfarrer in Deutschland zurzeit Bundespräsident ist. Die Organisation versteht sich als Pfarrvertretung auf EKD-Ebene und gibt monatlich das „Deutsche Pfarrerblatt“ heraus.