17.02.2014
Nigeria: Islamisten setzen Kampf gegen Christen fort
Terrorgruppe Boko Haram verübt Massaker an mehr als 100 Christen
Nigeria: Islamisten setzen Kampf gegen Christen fort
Terrorgruppe Boko Haram verübt Massaker an mehr als 100 Christen
Maiduguri/Kaduna (idea) – Im Norden Nigerias setzt die radikal-islamische Terrororganisation Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) ihre Angriffe auf die christliche Minderheit mit unverminderter Brutalität fort. Am 15. Februar wurden im Dorf Izghe (Bundesstaat Borno) Medienberichten zufolge mindestens 106 Personen umgebracht, darunter Frauen und Kinder. Gleichzeitig bemühen sich vereinzelt christliche und muslimische Prediger um Aussöhnung zwischen Anhängern der beiden Religionen. Ein Beispiel schildert das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (Hamburg). Boko Haram will im überwiegend muslimisch besiedelten Norden des westafrikanischen Landes mit Gewalt einen islamischen Gottesstaat durchsetzen, in dem sich alle Bürger das Religionsgesetz, der Scharia, unterwerfen müssen. In den vergangenen drei Jahren sind bei Gewalttaten der Terrororganisation mindestens 5.000 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sind die meisten Opfer Christen, aber auch gemäßigte Muslime und Einrichtungen der Zentralregierung – etwa Polizeistationen und Schulen – würden angegriffen.
Massaker und Plünderungen
Am Abend des 15. Februar überfielen etwa 200 bewaffnete und uniformierte Boko-Haram-Kämpfer das überwiegend von Christen bewohnte Dorf Izghe. Sie trieben vor allem Männer auf dem Dorfplatz zusammen und verübten ein Massaker an ihnen. Aus Angst vor bevorstehenden Angriffen in der Region waren schon Hunderte Christen in den Ort geflohen. Die Kämpfer plünderten auch Geschäfte und Lebensmittelläden und transportierten ihren Raub in Fahrzeugen der einheimischen Christen ab. Die Zentralregierung hatte im Mai den Ausnahmezustand über Borno und andere Bundesstaaten im Norden verhängt, um Boko Haram wirksamer bekämpfen zu können.
Imam und Pfingstpastor leiten Vermittlungszentrum
Vereinzelt setzen sich in Nigeria Muslime und Christen gemeinsam für Versöhnung ein. So leiten der Pfingstpastor James Movel Wuye und der Imam Muhammad Murayin Ashafa im zentralnigerianischen Kaduna ein Zentrum zur Förderung der Verständigung und Aussöhnung. Wie der „Spiegel“ weiter berichtet, waren beide bis vor 18 Jahren Todfeinde. Wuye hat bei einem Gefecht mit einer muslimischen Kampfgruppe seinen rechten Arm verloren. 1995 lernten sich Wuye und Ashafa bei der Durchführung einer Polio-Impfkampagne kennen und schätzen. Seither betreiben sie das „Interreligiöse Vermittlungszentrum“ in Kaduna. Sie richten Frühwarnsysteme für Krisenregionen ein, organisieren Schulungen für Lokalpolitiker und Religionsführer und sind als Seelsorger, Krisenberater und Schlichter im In- und Ausland tätig. Im Dezember 2013 wurden sie mit dem Deutschen Afrikapreis ausgezeichnet. Ashafa setzt sich nach eigenen Worten dafür ein, „den Virus des Hasses von klein auf zu bekämpfen“. Wuye vertritt die Ansicht, dass es sich nicht um einen Religionskrieg handele, sondern um „eine Verteilungsschlacht in einem potentiell reichen, aber miserabel regierten Land“. Er ist Pastor der pfingstkirchlichen „Versammlung Gottes“ in Kaduna, die mehrfach von extremistischen Muslimen angegriffen wurde. Von den 169 Millionen Einwohnern Nigerias sind etwa 50 Prozent Muslime und 48 Prozent Christen. Die übrigen sind Anhänger von Naturreligionen.