21.02.2014

China: Informationen aus der protestantischen Kirche

Neujahrsempfang für religiöse Führer

[XH] Yu Zhengsheng, der Vorsitzende des Nationalen Komitees der Politischen Konsultativ-Konferenz des Chinesischen Volkes empfing die Führer der Religionen in China im Auftrag von Staatspräsident XI Jinping zu einem Neujahrsempfang. In seiner Rede betonte er, dass die über 100 Mio. Gläubigen (aller Religionen) einen großen Beitrag zur Stabilität und bei sozialen Diensten geleistet hätten. Er forderte die Partei- und Regierungsgremien auf allen Ebenen auf, sich mit besonderer Aufmerksamkeit um die Probleme von religiösen Gruppen und deren Gläubigen anzunehmen.

Drei Inhaftierte in Nanle freigelassen

[CA] Drei der inhaftierten Hauskirchenchristen von Nanle sind am 27. Januar freigelassen worden. Die beiden Pastoren der Gemeinde sind aber nach wie vor in Haft. Voraussichtlich Mitte Februar soll der Prozess eröffnet werden.

Verhaftungen in Peking

[CA] Als am 24. Januar 19 Hausgemeindeglieder ihrem Pastor Lebensmittel überbringen wollten, stellten sie fest, dass er an einem anderen Ort unter Hausarrest gestellt worden war. Daraufhin wurden 15 Gemeindeglieder festgenommen. Möglicherweise war dies eine Aktion, durch die verhindert werden sollte, dass während des Frühlings- und Neujahrsfestes Unruhen aufkommen.

Philip Teng gestorben

[ZGB] Philip Teng, geboren 1922 in der Shandong Provinz, ist am 19. Dezember letzten Jahres in Hong Kong gestorben. Teng studierte in Xi'an ausländische Sprachen und ging 1946 zum Theologiestudium nach Schottland. Als er 1950 wieder zurück in seine chinesische Heimat wollte, wurde er wegen Visumproblemen in Hong Kong zurückgehalten und lebte fortan dort. Teng wurde einer der herausragendsten chinesischen Theologen, Lehrer und Prediger, der in über 40 Ländern Dienst tat. Er schrieb 20 Bücher und übersetzte hunderte von Liedern. 1974 war er einer der Gründungspräsidenten der Lausanner Konferenz, begleitete 1988 Billy Graham als Übersetzer bei dessen Predigten in mehreren chinesischen Kirchen und war äußerst aktiv bei der Gründung und Leitung von theologischen Seminaren und Ausbildungsstätten. Nach seiner Pensionierung im Jahr 1987 ging er nach den USA, um sich dort 10 Jahre lang für den missionarischen Dienst unter amerikanischen Chinesen zu engagieren.

WU Yaozong, eine tragische Figur

[RFA] WU Yaozong, der Gründer der Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung in China, lebte von 1893 bis 1979. Sein Sohn WU Zongsu immigrierte nach den USA und sagte neulich im Rahmen eines Seminars über religiöse Freiheit in San Franzisko, sein Vater sei "eine tragische Figur" gewesen. Die chinesischen Kommunisten bezeichnen ihn als den Hauptdarsteller eines patriotischen, religiösen Menschen, während viele Christen ihn als den Verräter des Christentums bezeichnen.

Sein Sohn, inzwischen im Alter von 84 Jahren, gab bei dieser Gelegenheit einen umfassenden Bericht über das Leben seines Vaters. WU Yaozong ließ sich 1918 in Peking taufen und ging wenig später nach den USA, um Theologie zu studieren. Nach seiner Rückkehr nach China arbeitete er bei der Vereinigten Christlichen Jugendgesellschaft und als Direktor der Gemeinschaft für Versöhnung. Bereits vor 1949 kam er dreimal mit dem späteren Ministerpräsident

Zhou Enlai zusammen und nach 1949 traf er sich mit Mao Zedong fünfmal. WU Yaozong dachte, das Christentum in der einen Hand und Marxismus und Leninismus in der anderen Hand könnten sich gegenseitig ergänzen. Er gab sich dem Irrtum hin, auf diese Weise könnte eine Gesellschaft begründet werden in der es keine Ausbeutung gäbe. Das Christentum versuche dies durch Liebe zu erreichen und der Kommunismus durch den Klassenkampf.

Wu Yaozong wurde 1949 der oberste Bevollmächtigte der religiösen Kreise in der Ersten Politischen Konsultativ-Konferenz. Danach war er ohne Unterbrechung Mitglied des Ersten bis Fünften Nationalen Volks-Kongresses. Im September 1950 gründete er die Patriotische Drei-Selbst-Bewegung. Im Jahr 1951 startete er dann schließlich eine Anprangerungskampagne in der er den Imperialismus und proamerikanische Christen kritisierte. Ab dem Jahr 1954 wurden christliche Versammlungen außerhalb der Drei-Selbst-Bewegung

verboten. Bei allem, was WU Yaozong tat, stand im Hintergrund stets die Kommunistische Partei als teuflischer Manipulator. So selektierte die Partei Studierende und Absolventen der Seminare, bezahlte die Pastoren durch den Staat und Delegationen, die ins Ausland reisten, wurden stets begleitet von Leuten aus dem Ministerium. Als er Zhou Enlai wegen der falschen Religionspolitik der Partei durch einen Aufruf zu einem Dekret zum Schutz religiöser Freiheit bewegen wollte, kam es zwar zu einem Gespräch mit Zhou Enlai, doch danach schwenkte er um und kritisierte fortan nicht mehr die Parteilinie. Er kämpfte zwar gegen die 1966 beginnende Kulturrevolution, wurde aber schließlich selbst in ein Arbeitslager verbannt. Heute noch für die Kommunisten ein Musterknabe und für die anderen ein Verräter, das war die tragische Rolle von WU Yaozong.

Quelle: China – Informationen 2014 - 03