27.02.2014
Deutschland: Kirche soll messianische Juden nicht länger ausgrenzen
„Die Nachfolge Jesu und das Jude-Sein schließen sich nicht gegenseitig aus“
Deutschland: Kirche soll messianische Juden nicht länger ausgrenzen
„Die Nachfolge Jesu und das Jude-Sein schließen sich nicht gegenseitig aus“
Wetzlar (idea) – Die evangelische Kirche sollte messianische Juden – sie glauben an Jesus als den Messias Israels – nicht länger ausgrenzen. Dafür hat sich der theologische Leiter der Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel (amzi), Pfarrer Martin Rösch (Schopfheim bei Lörrach), ausgesprochen. Messianische Juden seien Teil der weltweiten Gemeinde Jesu Christi, verstünden sich aber gleichzeitig als Angehörige des jüdischen Volkes, sagte der Theologe bei einem Besuch der Evangelischen Nachrichtenagentur idea in Wetzlar. Es sei an der Zeit, dass die Kirche wahrnehme: „Die Nachfolge Jesu und das Jude-Sein schließen sich nicht gegenseitig aus.“ Der messianischen Bewegung war wiederholt bei Deutschen Evangelischen Kirchentagen eine Mitwirkung auf dem „Markt der Möglichkeiten“ verweigert worden. Das Protestantentreffen begründete das mit seinem Nein zur Judenmission. Rösch zufolge geht es der messianischen Bewegung nicht darum, Juden von ihrem Volk zu entfremden: „Der Glaube an den Messias ändert an der Volkszugehörigkeit gar nichts.“ Der Theologe kritisierte ferner eine Unterrichtshilfe für den evangelischen Religionsunterricht an Grundschulen, in der es heiße: „Juden glauben nicht an Jesus.“ Dies treffe zwar für die Mehrheit zu, aber nicht pauschal, so Rösch.
Messianische Bewegung in Israel wächst
Nach Schätzungen gebe es weltweit rund 500.000 messianische Juden, darunter etwa 1.000 in Deutschland in 40 Gemeinden. Rösch zufolge wächst diese Bewegung in Israel. Sie umfasse etwa 100 Gemeinden mit bis zu 15.000 Angehörigen. Diese Jesus-Gläubigen erlebten zum Teil Anfeindungen durch radikale orthodoxe Juden. So komme es vor, dass sie am Sabbat auf dem Weg zum Gottesdienst angepöbelt oder angespuckt würden. Es würden auch Handzettel verbreitet, in denen messianische Juden als „Missionare“ gebrandmarkt würden. Die Angegriffenen erlebten aber auch, dass sich säkulare Juden mit ihnen solidarisierten.
amzi: Bindeglied zwischen jüdischen und arabischen Jesus-Gläubigen
Die in Deutschland und der Schweiz tätige Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel unterstützt seit über 40 Jahren jüdisch-messianische und arabisch-christliche Gemeinden und Institutionen in Israel und den palästinensischen Gebieten. Sie versteht sich auch als Bindeglied zwischen jüdischen und arabischen Jesus-Gläubigen. Die Arbeitsgemeinschaft fördert vor allem die Verkündigung des Evangeliums, unter anderem die Bibelläden der arabisch-christlichen Immanuel-Gemeinde in Haifa und der Israelischen Bibelgesellschaft in Tel Aviv, sowie diakonisch durch das dortige Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige „Beth Nitzachon“ (Haus des Sieges) in Haifa. Laut Rösch hilft diese Einrichtung der messianischen Karmel-Gemeinde vor allem russischsprachigen Zuwanderern, die mit dem fremden Lebensstil nicht zurechtkommen und zu Suchtmitteln greifen. Die Arbeitsgemeinschaft, die zur pietistischen Pilgermission St. Chrischona gehört, beschäftigt drei hauptamtliche Mitarbeiter. Sie finanziert sich ausschließlich über Spenden.
siehe auch Site von amzi in 7 Sprachen: http://www.amzi.org/html/deutsch.html