27.02.2014
Nigeria: Boko Haram wütet und tötet
IGFM: Epidemie von Witwen und Waisen - 528 Todesopfer bereits in diesem Jahr – Boko Haram tötet männliche Familienmitglieder
Nigeria: Boko Haram wütet und tötet
IGFM: Epidemie von Witwen und Waisen - 528 Todesopfer bereits in diesem Jahr – Boko Haram tötet männliche Familienmitglieder
Abuja/Frankfurt am Main (27. Februar 2014) – Die Zahl der Todesopfer durch die islamistische Terrororganisation Boko Haram ist mit dem Anschlag in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar seit dem 1. Januar 2014 auf 528 gestiegen, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die Gewalt der islamistischen Terrorkampagne in Nordnigeria erreichte eine neue Eskalationsstufe, als mutmaßliche Boko Haram-Mitglieder eine staatliche Schule in Buna Yabi im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias angriffen. Sie trennten Jungen und Mädchen, um dann die Jungen umzubringen.
Nach Angaben der IGFM richten Boko Haram und mit ihnen verbündete Islamisten bereits seit einiger Zeit ihre Angriffe gezielt gegen die männliche Bevölkerung, während sie die Frauen „verschonen“. Dr. Emmanuel Ogbunwezeh, Nigeria-Experte der IGFM, nannte das Resultat dieser Strategie „eine Epidemie von Witwen und Waisen“. Ohne Männer, oft genug all ihrer Habe beraubt, stehen die Witwen alleine da; angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage und des mangelhaften sozialen Netzes haben sie von Seiten der Regierung kaum Hilfe zu erwarten.
Hinterbliebene Mädchen und Frauen sollen zur Belastung werden
„In einer patriarchalischen Gesellschaft wie Nigeria, und noch mehr nach dem islamistischen Weltverständnis von Boko Haram, gelten Frauen als hilflos und sind ohne Ehemann und Familie nicht in der Lage, für sich zu sorgen“, erklärt Ogbunwezeh. Nach dem Tod der Männer würden die Frauen entweder ihren überlebenden Verwandten zur Last fallen oder auf sich alleine gestellt zugrunde gehen – beides ist laut Ogbunwezeh für die Islamisten ein wünschenswertes Ergebnis. Boko Haram sehe den Konflikt in Nordnigeria als einen Krieg zwischen Rechtgläubigen und Ungläubigen und greife zunehmend zu Taktiken, die Kriegsverbrechen ähnelten. „Boko Haram verfolgt das Ziel, die christlichen Gemeinden Nordnigerias mit Witwen und Waisen zu füllen, um sie wirtschaftlich und sozial so stark wie möglich zu belasten.“
„Westliche Bildung ist Sünde“
Die Terrorgruppe Boko Haram ist aus einer radikalen islamistischen Gruppe hervorgegangen, die sich gegen die von ihr wahrgenommene Verwestlichung der Gesellschaft wendet – „Boko Haram“ bedeutet übersetzt so viel wie „westliche Bildung ist Sünde“. Seit dem 2009 gescheiterten Versuch, mit einem bewaffneten Aufstand einen islamischen Gottesstaat zu errichten, führt sie einen blutigen Terrorfeldzug, der sich nicht nur gegen Christen richtet, sondern auch gegen moderate Muslime, wenn sie die Ziele der Gruppe ablehnen.
Ogbunwezeh trat der verbreiteten Darstellung entgegen, die Bevölkerung in Nordnigeria sei muslimisch und nur wenige Nichtmuslime lebten dort. Tatsächlich seien in den mittleren Regionen wie in Jos oder im Süden von Kaduna zahlreiche, verschiedene Bevölkerungsgruppen beheimatet. Die Tatsache, dass Boko Haram seit fünf Jahren vergeblich darum kämpfe, eine ‚christenfreie Zone’ zu errichten, zeige, dass dort immer noch eine größere Anzahl Christen lebt. Die von zahlreichen Medien verbreitete Meldung, wonach Muslime einen größeren Bevölkerungsanteil stellten als Christen, verstünden viele Muslime als Bestätigung, mehr Rechte geltend machen zu können. Laut Volkszählung von 2010 stellten die Christen einen Anteil von 50,8 Prozent der Bevölkerung, die Muslime 48,8 Prozent, während andere Glaubensrichtungen etwa 0,4 Prozent ausmachten, so Dr. Ogbunwezeh, Afrika-Referent der IGFM.
AKREF berichtete über das Massaker siehe 25.2.14 und 22.2.14