27.02.2014

Syrien/Litauen: Litauische Lutheraner nehmen syrische Kriegsflüchtlinge auf

Bischof: Wir wissen um den Schmerz, verfolgt und auf der Flucht zu sein

Syrien/Litauen: Litauische Lutheraner nehmen syrische Kriegsflüchtlinge auf

Bischof: Wir wissen um den Schmerz, verfolgt und auf der Flucht zu sein

Vilnius/Leipzig (idea) – Angesichts der Not der syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge hört man viele kirchliche Appelle. Die rund 20.000 Mitglieder zählende Evangelisch-Lutherische Kirche in Litauen belässt es nicht dabei, sondern wird selbst aktiv und nimmt 40 Betroffene auf. Am 26. Februar landete ein litauisches Militärflugzeug mit syrischen Familien an Bord auf dem Flughafen in Siaulilai (deutsch Schaulen). Das berichtet das Gustav-Adolf-Werk (Leipzig), das evangelische Minderheitskirchen unterstützt. Die Flüchtlinge werden in litauischen Familien und Pfarrhäusern untergebracht. Bischof Mindaugas Sabutis (Vilnius) erklärte dazu: „Wir haben uns dafür entschieden, insbesondere christliche Familien bei uns aufzunehmen.“ Christen seien im syrischen Bürgerkrieg immer wieder Zielscheibe muslimisch-extremistischer Rebellen. Laut Sabutis genießen die Flüchtlinge Gaststatus und dürfen so lange bleiben, bis der Krieg zu Ende ist. Die Motivation für die Hilfe entspringe Erfahrungen, die Christen im ehemals kommunistisch besetzten Litauen gemacht hätten: „Litauische Lutheraner haben nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und den USA Zuflucht vor den sowjetischen Besatzern gefunden.“ Litauer hingegen, die nach Schweden flohen, seien zurück in die Sowjetunion geschickt worden. Sabutis: „Wir wissen um den Schmerz, verfolgt und auf der Flucht zu sein und keine Zuflucht zu finden.“ 1944 begann für die lutherische Kirche in Litauen eine Zeit der Unterdrückung und Verfolgung durch die sowjetischen Machthaber. Viele Mitglieder verließen das Land. Jahrzehntelang bestand eine von Flüchtlingen gegründete Litauische Evangelisch-Lutherische Auslandskirche, die sich 2008 wieder mit ihrer Mutterkirche vereinigte. 79 Prozent der rund drei Millionen Einwohner Litauens sind römisch-katholisch und vier Prozent russisch-orthodox. Daneben gibt es evangelische Freikirchen wie Adventisten, Baptisten und Methodisten. Der Anteil der Atheisten liegt bei neun Prozent.