28.02.2014

Pakistan: 3. Todestag von ermordeten Minister Shabaz Bhatti

Ermordeten Minister als christlichen Märtyrer anerkennen

Pakistan: 3. Todestag von ermordeten Minister Shabaz Bhatti

Ermordeten Minister als christlichen Märtyrer anerkennen

Frankfurt/M. (IGFM - 28. Februar 2014) Drei Jahre nach der Ermordung des pakistanischen Ministers für Minderheiten Shabaz Bhatti soll ihn die katholische Kirche endlich als Märtyrer anerkennen. Das sei ihm die Kirche schuldig, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Weil er sich öffentlich für ein faires Verfahren für die im November 2010 wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilte Asia Bibi eingesetzt hatte, wurde er von seinem Leibwächter auf offener Straße ermordet. Gleichzeitig erinnert die IGFM an all diejenigen, die in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie in Todeszellen auf eine Neuaufnahme ihrer Verfahren oder ihre Hinrichtung warten. Zum Tode sind sowohl Christen als auch Muslime verurteilt worden.

Shabaz Bhatti, überzeugter katholischer Christ, hatte sich öffentlich für die Revision des pakistanischen Blasphemiegesetzes eingesetzt. Zu oft wurde der Vorwurf, den Koran oder den Propheten beleidigt zu haben, aus persönlicher Rache oder aus Habgier als Waffe gegen Konkurrenten und Andersgläubige eingesetzt. Für strenggläubige Muslime in Pakistan gilt bereits die Anklageerhebung wegen Blasphemie als Beweis der Schuld. Die Christin Asia Bibi war Vorarbeiterin auf einem Landgut und war von anderen Mitarbeiterinnen aufgefordert worden, zum Islam überzutreten. Ein Disput um ein Trinkwassergefäß, das durch die Berührung durch die Christin Asia Bibi angeblich unrein geworden sei, führte zur Anzeige wegen Blasphemie. Asia Bibi wurde im November 2010 als erste Frau zum Tode verurteilt und wartet in einem Frauengefängnis der Stadt Multan bisher vergeblich auf die Aufhebung des Urteils durch das oberste Provinzgericht in Lahore.

Auch der bereits im Juli 2002 wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilte, vermutlich geistesgestörte Christ Anwar Kenneth, inhaftiert im Männergefängnis von Multan, wurde bisher nicht freigesprochen. Dass auch Muslime von dem berüchtigten Gesetz betroffen sind, zeigt z.B. das am 22. Januar 2014 in Rawalpindi wegen Blasphemie ergangene Todesurteil gegen den wahrscheinlich an Schizophrenie leidenden Moslem Mohammad Asghar, einem 67jährigen Rentner britischer Staatsangehörigkeit.

Anlässlich des 3. Todestages von Shabaz Bhatti am 2. März bittet die IGFM den um den interreligiösen Dialog bemühten Staatspräsidenten Mamnoon Hussain um umgehende Intervention gegen die wegen Blasphemie bestehenden Todesurteile, um den Schutz der von Extremisten bedrohten Blasphemie-Verurteilten und im Sinne Bhattis um den Mut zur Revision des Gesetzes.

Die IGFM wendet sich aber auch an Papst Franziskus und erinnert an die bereits im März 2012 von der pakistanischen Bischofskonferenz geforderte Anerkennung des Katholiken Shabaz Bhatti als christlichen Märtyrer der Menschenrechte, insbesondere der Religionsfreiheit. Asia Bibi, für deren Freilassung zu sterben Minister Bhatti nach eigenen Worten bereit war, hat Anfang des Jahres einen bewegenden Brief aus ihrer Todeszelle heraus an Papst Franziskus geschrieben.

 

Quelle: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)