03.01.2014

Israel: Lebt das Christentum im Heiligen Land auf?

Viele Christen im Nahen Osten sehen Israel als sicheren Zufluchtsort an

Israel: Lebt das Christentum im Heiligen Land auf?

Viele Christen im Nahen Osten sehen Israel als sicheren Zufluchtsort an

Jerusalem (idea) – In Israel lebt das Christentum wieder auf. Hauptursache sind die Unruhen und Konflikte in den Ländern des Nahen Ostens. Christliche Flüchtlinge und Vertriebene suchen Schutz im Heiligen Land. Außerdem sei eine zunehmende Offenheit unter Palästinensern für das Evangelium zu beobachten, berichten Experten. David Siegel, israelischer Generalkonsul in Los Angeles (US-Bundesstaat Kalifornien), sieht eine „Renaissance“ des Christentums im Heiligen Land voraus. „Israel ist ein sicherer Zufluchtsort für Christen im Nahen Osten, die im Zuge des Arabischen Frühlings systematisch verfolgt werden“, sagte er der Internetzeitung Christian Post. Die Zahl der Christen und ihrer Gebetshäuser nehme zu. Die Evangelikalen seien wahrscheinlich Israels treueste Freunde weltweit, und zwar in guten und in schlechten Zeiten. In Israel leben nach aktuellen Angaben des Statistikamtes etwa 158.000 Christen; 80 Prozent von ihnen sind Araber. Ihre Gesamtzahl beträgt knapp 1,7 Millionen. Von den insgesamt rund acht Millionen Einwohnern Israels sind sechs Millionen Juden. Die Zahl der „messianischen“ Juden, die an Jesus als den im Alten Testament verheißenen Heiland glauben, wird auf bis zu 15.000 geschätzt.

Palästinenser zeigen mehr Interesse am Christentum

Der Sprecher des kanadischen Zweigs der internationalen „Hilfsaktion Märtyrerkirche“, Greg Musselman (Streetsville, Provinz Ontario), beobachtet ein zunehmendes Interesse am christlichen Glauben unter Palästinensern. Viele Muslime berichteten unter anderem von Träumen und Visionen von Jesus sowie von Wunderheilungen. Außerdem seien sie vom Lebenszeugnis jener Christen beeindruckt, die das Westjordanland trotz vieler Bedrängnisse nicht verließen. „Es sind nur wenige, aber sie leben ihren Glauben mit Leidenschaft“, so Musselman. Er ist überzeugt, dass die Palästinenser zur Zukunft der Kirchen im Nahen Osten viel beizutragen hätten, gerade weil andere die Unruheregion verließen.

Sollen Christen Militärdienst leisten?

Unterdessen ist in Israel eine Debatte über die Frage entbrannt, ob Christen in den Streitkräften Dienst leisten sollten. Arabische Muslime und Christen sind nicht der Wehrpflicht unterworfen, und sie sehen den freiwilligen Dienst traditionell als ein Tabu an. Doch die Regierung will auch sie zunehmend rekrutieren. Der griechisch-orthodoxe Priester Gabriel Nadaf (Nazareth) ermuntert arabische Christen zum Dienst in den israelischen Streitkräften. Wie die Zeitung Jerusalem Post berichtet, hätten sich bei einem Treffen kürzlich 94 Christen zum Militärdienst gemeldet. Sie wollten damit ihre Solidarität mit dem demokratischen jüdischen Staat zum Ausdruck bringen. Der Geistliche treffe auf starken Widerstand nicht nur von Seiten der Palästinenserbehörde, sondern auch von seiner eigenen Kirche. Der Palästinenser Oudeh Basharat, der für die Zeitung Ha’aretz schreibt, sieht die Rekrutierung palästinensischer Christen äußerst kritisch. Die Regierung wolle damit einen Keil zwischen die Palästinenser treiben.