06.01.2014
Irak/Syrien: "Christen sitzen in der Falle"
Christen bitten: Betet für uns!
Die islamistische Gruppe "ISIS" will im Irak und Syrien einen Gottesstaat errichten und wird immer stärker. Christen geraten zwischen die Fronten. Daniel Ottenberg vom christlichen Hilfswerk Open Doors und Mitglied bei AKREF beobachtet die Situation.
Hier ein Auszug aus dem Interview:
domradio.de: Immer mehr Medienberichte sprechen von einer Ausbreitung radikaler Islamisten, sowohl im Irak als auch in Syrien. Teile der irakischen Westprovinz al-Anbar wurden bereits eingenommen. Was bedeutet das denn für die Menschen, für die Christen vor Ort?
Ottenberg: Nun, das bedeutet, das die Gruppe "Isis", die Sie ja gerade vorgestellt haben, einen strikten Gottesstaat in den Teilen des Landes oder der beiden Länder, sowohl in Syrien als auch im Irak, durchsetzt, die Teile, die sie erobert haben, und auch die Scharia durchsetzt. Das heißt, jeder, der nicht dieser strikten Form des Islam folgt, wird in große Schwierigkeiten kommen und das betrifft natürlich auch die christliche Minderheit in beiden Ländern.
domradio.de: Noch leben ja Christen im Norden und Westen des Iraks, sie sind zum Teil bereits auch aus Syrien geflohen. Wie sieht die Situation denn konkret für diese Minderheit aus?
Ottenberg: Christen sitzen letzten Endes in der Falle. Es ist zunehmend schwieriger für die Christen, im Land zu bleiben, obwohl sie es wirklich gerne wollen. Es ist ihre Heimat, die Christen leben dort quasi seit Anbeginn des Christentums und es ist aber sehr, sehr schwierig für sie, zu bleiben, weil sie von beiden Seiten sozusagen attackiert werden, weil sie zwischen die Fronten geraten. Wenn die irakischen Soldaten, wenn die irakische Regierung, beispielsweise versucht, Falludscha oder andere Orte zurückzuerobern, wird auf Christen, die dort irgendwo zwischen den Fronten sind, keine Rücksicht genommen. Das heißt, die Situation ist wirklich katastrophal.
domradio.de: Das heißt, wie verhalten sich denn die Christen dort vor Ort?
Ottenberg: Das eine ist, was man sagen muss, die Christen haben einfach sehr viel Angst. Es ist ja bei uns in den Medien nicht besonders durchgedrungen, dass es am Ersten Weihnachtsfeiertag wieder einen großen Bombenanschlag gab vor einer katholischen Kirche, wo überwiegend Christen ums Leben gekommen sind. 26, wenn man es in den Berichten nachliest. Und das ist ja nicht der erste Anschlag, das heißt, die Christen haben wirklich Angst. Teilweise werden sie ganz gezielt attackiert. Sie versuchen natürlich - wir kommen gerade von Weihnachten her - die Botschaft von Weihnachten, die Botschaft der Versöhnung zu leben, aber das fällt ihnen wirklich schwer.
Quelle: domradio.de-Interview