21.01.2014
Syrien: Kirchen fordern sofortigen Waffenstillstand
Weltweite Evangelische Allianz stellt sich hinter eine Erklärung des Weltkirchenrats
Syrien: Kirchen fordern sofortigen Waffenstillstand
Weltweite Evangelische Allianz stellt sich hinter eine Erklärung des Weltkirchenrats
Genf (idea) – Für einen sofortigen Waffenstillstand im syrischen Bürgerkrieg und Hilfe für die leidende Zivilbevölkerung haben sich die Kirchen der Welt einmütig ausgesprochen. Vor der zweiten Syrien-Friedenskonferenz, die am 22. Januar in Montreux (Schweiz) beginnt, übergab der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf einen entsprechenden Aufruf an den Sondergesandten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien, den algerischen Diplomaten Lakhdar Brahimi. Wie ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit (Genf) betonte, stehen hinter der Erklärung nicht nur die 349 evangelischen, orthodoxen und anglikanischen ÖRK-Mitgliedskirchen mit etwa 560 Millionen Mitgliedern, sondern auch die Weltweite Evangelische Allianz. Sie repräsentiert etwa 600 Millionen Evangelikale. Papst Franziskus, Oberhaupt der 1,2 Milliarden Katholiken, hatte es bereits in seiner Neujahrsansprache am 13. Januar als unannehmbar bezeichnet, dass die wehrlose Zivilbevölkerung in Syrien und vor allem die Kinder vom Krieg „heimgesucht“ würden. Jetzt sei ein „erneuter gemeinsamer politischer Wille“ nötig, um dem seit drei Jahren anhaltenden Konflikt ein Ende zu setzen.
Christen zwischen den Fronten
In dem Bürgerkrieg sind bisher mehr als 110.000 Menschen gestorben. Über neun Millionen befinden sich auf der Flucht. Verschiedene oppositionelle Gruppen, darunter auch muslimische Extremisten, kämpfen für den Sturz des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad. Sie bekriegen sich aber auch untereinander. Christen, die unter Assad relative Freiheit genossen, geraten zwischen die Fronten. Von den Aufständischen werden sie als seine Verbündeten verfolgt und verschleppt. Von den 21 Millionen Einwohnern Syriens waren vor dem Bürgerkrieg 90 Prozent Muslime und 6,3 Prozent Christen, davon jeweils drei Prozent Katholiken und Orthodoxe plus kleine Gruppen von Protestanten. Die übrige Bevölkerung bestand aus Nichtreligiösen oder Anhängern anderer Religionen.
Welche Chance hat die Friedenskonferenz?
Die Chancen der Friedensgespräche in der Schweiz werden skeptisch beurteilt. Nicht alle Oppositionsgruppen nehmen daran teil. Der Syrische Nationalrat, die größte Teilgruppe der Exil-Opposition, will den Zusammenschluss der Aufständischen, die Nationalallianz, verlassen. Auch einflussreiche ausländische Mächte wie der Iran, der das Assad-Regime unterstützt, sind nicht in der Schweiz vertreten. UN-Generalsekretär Ban Ki Mun hat die Islamische Republik erst ein- und dann wieder ausgeladen, weil die Regierung in Teheran nicht die Bildung einer syrischen Übergangsregierung mit Oppositionsvertretern unterstützt. Grundlage der Gespräche in Montreux ist ein Dokument, das im Jahr 2012 von der ersten UN-Friedenskonferenz verabschiedet wurde. Es sieht neben der Bildung einer Übergangsregierung einen Waffenstillstand und die Freilassung politischer Gefangener vor.
Für den Frieden arbeiten Christen und Muslime zusammen
Der ÖRK hatte vom 15. bis 17. Januar eine ökumenische Syrien-Konferenz in Genf abgehalten, an der für die EKD der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge (Berlin), teilnahm. Die Erklärung wird auch vom Lutherischen Weltbund unterstützt, dem 142 Mitgliedskirchen mit rund 70 Millionen Mitgliedern angehören. Es werde keine militärische Lösung für den Bürgerkrieg geben, heißt es in dem Papier. Außer einem sofortigen Waffenstillstand fordert es die Freilassung aller Gefangenen und Entführten. Der UN-Sicherheitsrat solle dafür sorgen, dass keine Waffen und ausländischen Kämpfer mehr in das Land gelangen. Alle Flüchtlinge im In- und Ausland brauchten humanitäre Unterstützung. In Zukunft müsse die multi-ethnische, multi-religiöse und multi-konfessionelle Prägung der syrischen Gesellschaft erhalten bleiben. Um den Frieden wiederherzustellen, seien Christen bereit, auch mit Muslimen zusammenzuarbeiten, so die ÖRK-Erklärung.
World Vision: „Entsetzliche Bürde“ für Kinder
Das christlich-humanitäre Hilfswerk World Vision appelliert an die Friedenskonferenz, ohne Vorbedingungen in die Verhandlungen zu gehen. Nur so sei ein positives Ergebnis zu erzielen, erklärte der Friedensexperte Ekkehard Forberg. Vor allem den Kindern sei mit dem Bürgerkrieg eine „entsetzliche Bürde“ auferlegt worden. Humanitäre Hilfe erreiche nur einen Bruchteil der über vier Millionen syrischen Jungen und Mädchen, die in ihrer Heimat auf der Flucht sind. In den Nachbarländern fehle es vielen am Nötigsten und vor allem an einer Zukunftsperspektive. World Vision ist mit Hilfsprogrammen in Syrien, Jordanien und im Libanon vertreten.