22.01.2014

Weltweit: Religiöse Konflikte Grund für Gewalt

Beispiele sind Ägypten, Syrien und die Zentralafrikanische Republik

Weltweit: Religiöse Konflikte Grund für Gewalt

Beispiele sind Ägypten, Syrien und die Zentralafrikanische Republik

Gütersloh (idea) – Religiöse Konflikte sind in einer Reihe von Ländern zunehmend ein Grund für Gewalt. Das geht aus einer am 22. Januar vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung (Gütersloh) hervor. Der sogenannte Transformationsindex bewertet Erfolge und Rückschritte einzelner Länder auf dem Weg zu Demokratisierung und „sozialpolitisch flankierter Marktwirtschaft“. Als ein Faktor der Instabilität wird der Einfluss „religiöser Dogmen auf Rechtsordnung und staatliche Institutionen“ genannt. Dieser habe in den letzten acht Jahren in 25 von 40 untersuchten afrikanischen Staaten zugenommen, besonders in Ägypten, Libyen und Mali. Die Untersuchung geht auch auf die Lage im Nahen Osten ein. Sie wirft dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad vor, gezielt Furcht zu erregen, um unterschiedliche religiöse Gruppen gegeneinander auszuspielen. So stelle er beispielsweise „Revolutionäre als Salafisten“ dar. Zudem habe die bevorzugte Rekrutierung von Alawiten für regierungsnahe Milizen das Vertrauen zwischen dieser schiitisch geprägten Bevölkerungsgruppe, zu der auch Assad gehört, und den übrigen Bürgern untergraben. In Ägypten und dem Libanon wachsen der Studie zufolge Spannungen zwischen Muslimen und Christen. Bezüglich Ägypten wird vor allem die Einbettung der Verfassung in eine „religiöse Leitkultur“ bemängelt, die nach wie vor vom islamischen Religionsgesetz, der Scharia, beherrscht werde.

Libanon: Religiöse Balance geht verloren

Im Libanon bringe die Auswanderung zahlreicher Christen das dortige, auf Ausgleich der Religionen basierende System, in eine Schieflage zu Ungunsten der Christen. Sunniten aus dem Nachbarland Syrien, die vor dem dortigen Bürgerkrieg in den Libanon geflohen sind, brächten diese Balance weiter ins Wanken. Darüber hinaus nehme in dem Land der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten an Fahrt auf. In der Hafenstadt Tripoli und der an Syrien grenzenden östlichen Bekaa-Ebene verschärften sich die Spannungen. Hier stünden sich die schiitische – mit Präsident Assad verbündete – Hisbollah und sunnitische Kämpfer gegenüber, die den Aufstand gegen Assad unterstützten. Sie lieferten sich zum Teil blutige Auseinandersetzungen.

Zentralafrikanische Republik: Wer attackiert wen?

Auch außerhalb des Nahen Ostens nähmen religiöse Konflikte zu. In der Zentralafrikanischen Republik seien sie Ursache für gravierende Rückschritte im Demokratisierungsprozess. Der Studie zufolge sind es hier besonders Christen, die muslimische Zivilisten attackierten und damit für ein „gegenseitiges Misstrauen“ religiöser Gruppen in dem mehrheitlich christlichen Land sorgten. Das Hilfswerk Open Doors hatte in seinem Anfang Januar veröffentlichten Weltverfolgungsindex hingegen die Gewalt muslimischer Extremisten gegen Christen angeprangert. Gleichzeitig bestätigte jedoch auch Open Doors die Existenz christlicher Bürgerwehren, die in manchen Landesteilen Gewalt an Muslimen verübten. Die Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung prognostiziert, dass in den kommenden Jahren die Kluft zwischen Arm und Reich zu weltweiten Unruhen führen werde. Sie kritisiert ferner Rückschritte europäischer Staaten bei der Demokratisierung. Vor allem in Ungarn kam es nach Aussagen eines Stiftungssprechers im vergangenen Jahr zu einer „Erosion von Rechtsstaatlichkeit“.