24.01.2014

Deutschland/Ägypten: „Bitte gebt uns Kirchenasyl!“

(idea) Die koptisch-orthodoxe Familie Henein floh vor radikal-islamischen Salafisten aus Ägypten. In Deutschland wurde ihr Asylantrag abgelehnt. Jeden Tag können sie nun abgeschoben werden. Ihr jüngster Sohn aber ist schwer krank. Die Familie hat Angst, dass er eine Abschiebung nicht überleben würde. Daniela Städter hat die Familie in Duisburg getroffen.

Dezember 2011: Das christliche Ehepaar Badr (29) und Sara (23) Henein lebt mit den beiden Kindern Kerolos (4) und Shenouda (11 Monate) im Dorf Ibschak in der Nähe der mittelägyptischen Stadt Al-Minia. Badr Henein ist selbstständig und hat eine Autowerkstatt. Dann stehen Salafisten vor der Tür. Sie wollen den jungen Vater zwingen, Muslim zu werden. Doch er lässt sich nicht einschüchtern. Dann fordern sie ihn auf, regelmäßig Geld zu zahlen, damit sie seine Familie in Ruhe lassen. Auch das lehnt er ab. Regelmäßig werden sie und auch andere koptische Familien in der Umgebung beschimpft. Die Heneins, weil sie ihre Kinder nach den koptisch-orthodoxen Päpsten Shenouda III (1923-2012) und Kirellos VI (1902-1971) benannt haben. Die koptischen Frauen, weil sie kein Kopftuch tragen. Alle Kopten, weil sie Schweinefleisch essen. Und weil sie glauben, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist.

Die Werkstatt wird niedergebrannt

Dann muss das Ehepaar mit seinem Baby Shenouda für eine Operation nach Kairo. Das Kind leidet an einer chronischen Niereninsuffizienz. Als sie wiederkommen, ist die Werkstatt von Badr Henein zerstört. Muslime haben sie niedergebrannt. Beim nächsten Mal, sagen sie, wird noch mehr passieren. Die Heneins bekommen Angst. Sie wollen Ägypten verlassen. Sie verkaufen ihr Haus. Das Geld brauchen sie für das Visum: 10.000 Euro zahlen sie einem Vermittler. In Deutschland bekommen sie kein Visum, aber in Italien. Erst werden sie in Mineo auf Sizilien untergebracht. Das Rote Kreuz kümmert sich darum, dass Shenouda die weiteren nötigen Operationen erhält. Dann werden sie ab Juli 2012 in Rom untergebracht. Die Heneins sind erschüttert von den Verhältnissen. Mit Dutzenden von Menschen sind sie in kleinen, verdreckten Baracken untergebracht. Es wimmelt vor Ungeziefer. Die beiden haben Angst, dass ihr Sohn eine Infektion bekommt. Deswegen reisen sie im März 2013 weiter nach Deutschland, um dort Asyl zu beantragen. Dort stellen die Ärzte fest, dass Shenouda auch Wachstumsstörungen hat: Mit seinen drei Jahren wiegt er heute knapp zehn Kilogramm. Er bekommt nun zusätzlich Wachstumshormone. Regelmäßig muss er zur Behandlung in ein Nierenzentrum in Essen.

„Außergewöhnliche humanitäre Gründe sind nicht ersichtlich“

Doch der Asylantrag in Deutschland wird abgelehnt und die Abschiebung nach Italien angeordnet. Denn das Gesetz sieht vor, dass Flüchtlinge nur in dem Land Asyl beantragen können, über das sie zuerst in die EU eingereist sind. Und „außergewöhnliche humanitäre Gründe“, dieses Gesetz nicht anzuwenden, seien nicht ersichtlich, heißt es in dem Schreiben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Italien erfülle gegenüber Ausländern die „Mindeststandards“. Das sehen die Heneins anders. Sie haben erlebt, wie schlecht die Versorgung war. Wegen Shenouda wollen sie in Deutschland bleiben.

Auf Gott vertrauen

Die Heneins schalten einen Anwalt ein. Er soll prüfen, ob wegen des kranken Sohnes nicht doch eine Ausnahme möglich ist. Das Ergebnis ist negativ. Ein Großteil der Anwaltskosten hat die koptisch-orthodoxe Gemeinde „Heilige Maria und Heiliger Philopater Mercurius“ in Dortmund übernommen. Ihr Diakon Ashraf Ghattas unterstützt die Familie, er übersetzt für sie Dokumente, ruft bei Behörden an. Doch auch er weiß nun nicht mehr, wie er ihnen noch helfen kann. Er ist es auch, der die Evangelische Nachrichtenagentur idea bittet, über den Fall zu berichten: „Vielleicht können wir ja doch noch etwas erreichen, wenn der Fall öffentlich wird.“ Die Heneins wollen sich mit seiner Hilfe nun auch an evangelische Gemeinden wenden: „Bitte gebt uns Kirchenasyl. Damit unser Sohn überlebt.“ Als Kontaktperson steht Ashraf Ghattas (Telefon: 0173-5157978) bereit. Zwar ist die Verzweiflung der Heneins groß, und doch sagen sie: „Auch wenn wir nicht wissen, wie es weitergehen soll: Gott weiß es auf jeden Fall. Und wir vertrauen ihm.“