24.01.2014
Indien: Wo Christen täglich verfolgt werden
Nicht nur Vergewaltigungen erschüttern die Welt
Neu Delhi (idea) – Die hohe Zahl von Vergewaltigungen in Indien erschüttern die Welt. Weithin unbeachtet bleiben hingegen die anhaltenden Übergriffe auf Angehörige religiöser Minderheiten, insbesondere auf Christen. Im vorigen Jahr wurden mehr als 4.000 Fälle anti-christlicher Gewalt registriert. Bei rund 200 von ihnen handelt es sich um schwere Verfolgung. Sieben Christen wurden ermordet und rund 1.000 Frauen, 500 Kinder und etwa 400 Geistliche verschiedener Konfessionen missbraucht oder misshandelt. Hinzu kamen Übergriffe auf mehr als 100 Kirchen und andere christliche Versammlungsstätten. Meist kommen die Urheber aus nationalistisch-hinduistischen Kreisen. Das geht aus einem Bericht zur Verfolgung im Jahr 2013 hervor, der von einem Forum christlicher Fachorganisationen herausgegebe
n wird. Dazu gehören der All-Indische Christenrat, die Indische Evangelische Allianz, das Katholische Säkulare Forum und der Weltweite Rat Indischer Christen. Am schwersten betroffen sind Christen in den Bundesstaaten Andra Pradesh, Chhattisgarh, Gujarat, Orissa, Madhya Pradesh, Tamil Nadu und Kerala. Anti-Bekehrungsgesetze, die den Religionswechsel von Hindus erschweren, bestehen in sieben der 28 Bundesstaaten, nämlich in Orissa, Arunachal Pradesh, Madhya Pradesh, Rajasthan, Gujarat, Chhattisgarh und Himachal Pradesh. Von den 1,2 Milliarden Einwohnern Indiens sind 82 Prozent Hindus, zwölf Prozent Muslime und mindestens drei Prozent Christen. Die übrigen sind meist Anhänger von Natur- und Stammesreligionen.
Hinduistischer Dorfrat ordnet Vergewaltigung an
Die Zahl der Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen in Indien wird auf weit mehr als 20.000 pro Jahr geschätzt. Über 86.000 Fälle sind bei der Justiz noch anhängig. Entsetzen erregte vor einem Jahr der Fall einer jungen Frau, die in Neu Delhi von fünf Männern vergewaltigt wurde und ihren schweren Verletzungen erlag. Vor wenigen Tagen wurde die Massenvergewaltigung einer 20-Jährigen auf Anordnung eines Dorfrates in West-Bengalen bekannt. Das Verbrechen hatte auch religiöse Ursachen; die hinduistische Frau hatte sich in einen Muslim verliebt. Der Dorfrat ordnete an, dass sie zur Strafe von einem Dutzend Männern vergewaltigt werden sollte.
Alle halbe Stunde eine Vergewaltigung
Die Indische Evangelische Allianz hat solche Übergriffe scharf verurteilt. Sie seien ein Ausdruck für die Missachtung und Geringschätzung der Frau in der indischen Gesellschaft. Alle dreieinhalb Minuten werde eine Straftat an Frauen verübt. An einem durchschnittlichen Tag werde schätzungsweise alle halbe Stunde eine Frau vergewaltigt – etwa 45 pro Tag. Der Allianz zufolge beginnt die Diskriminierung bereits vor der Geburt. Weil Mädchen unerwünscht seien, würden viele abgetrieben, nachdem man bei einer Ultraschalluntersuchung das Geschlecht festgestellt hat. Die Allianz beklagt den Zustand einer immer noch weithin patriarchalisch und feudal geprägten Gesellschaft besonders auf dem Lande. Die Dachorganisation der Evangelikalen verurteilt ferner die „träge“ Strafverfolgung und appelliert an Regierung und Justiz, für die Sicherheit aller Bürger, insbesondere von Frauen, zu sorgen.