31.01.2014

Estland: Eines der am wenigsten religiösen Länder

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes ermutigt die Christen

Estland: Eines der am wenigsten religiösen Länder

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes ermutigt die Christen

Tallinn (idea) – In Estland spielen die Lutheraner in einem stark verweltlichten Umfeld eine wichtige Rolle. Diesen Eindruck gewann der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Martin Junge (Genf), bei einem fünftägigen Besuch in dem Land. Etwa 73 Prozent der 1,3 Millionen Einwohner bezeichnen sich als nicht religiös. Damit gilt Estland als eines der weltweit am wenigsten religiösen Länder. 14 Prozent der Einwohner sind Lutheraner, die damit die größte konfessionelle Gruppe bilden. Junge führte Gespräche mit Staatspräsident Toomas-Hendrik Ilves und Premierminister Andrus Ansip. Dabei habe er erfahren, dass die estnische Bevölkerung sowohl den einheimischen Lutheranern wie auch dem LWB mit Wertschätzung begegne, weil viele Lutheraner den etwa 80.000 Flüchtlingen aus Estland im Zweiten Weltkrieg geholfen hätten, die vor der Roten Armee nach Schweden, Deutschland und andere Länder geflohen waren.

Lutheraner können Renovierung alter Kirchen nicht bezahlen

Bei den Begegnungen sei auch deutlich geworden, dass der estnische Staat die lutherische Kirche als eine der wichtigen Sprecher der Christen betrachte, teilte der Kanzler des Konsistoriums der Kirche, Urmas Viilma (Tallinn), mit. Wie er weiter erläuterte, verliere die Kirche immer mehr Mitglieder. Dies sei eine Folge der Verstädterung, Säkularisierung und Auswanderung. Zwar habe die Kirche alle in der Sowjetzeit verstaatlichten Gebäude zurückerhalten. Doch viele seien baufällig, und man sei nicht in der Lage, die Renovierung zu bezahlen. Pfarrer und Diakone brauchten Ermutigung, die Junge ihnen vermittelt habe.

Voller Freude in die Gesellschaft einbringen

Junge war Hauptredner bei einer Pfarrkonferenz. In einem Vortrag zum Thema „Leben in der Freude des Glaubens“ rief er seine lutherischen Amtskollegen dazu auf, „sich aktiv und voller Freude in die Gesellschaft einzubringen“ und dabei „Glauben, Hoffnung und Liebe weiterzugeben“: „Die Macht eines solchen Zeugnisses war noch nie abhängig von der Größe und der Mitgliederzahl einer Kirche, sondern erwächst aus ihrer Berufung zur Teilhabe an der Mission Gottes.“ Die zweitgrößte konfessionelle Gruppe in Estland bilden die orthodoxen Christen (12 Prozent), gefolgt von den Katholiken und Baptisten (je 0,5 Prozent). Zum LWB gehören 142 Kirchen mit rund 70 Millionen Mitgliedern in 79 Ländern.