01.07.2014
Naher Osten: Angst vor neuer Gewaltspirale
Wie reagiert Israel auf die Ermordung von drei jüdischen Jugendlichen?
Naher Osten: Angst vor neuer Gewaltspirale
Wie reagiert Israel auf die Ermordung von drei jüdischen Jugendlichen?
Hebron/Jerusalem (idea) – Nach der Ermordung von drei entführten israelischen Jugendlichen wächst die Angst vor einer neuen Eskalation im Nahen Osten. Die drei Juden im Alter zwischen 16 und 19 Jahren waren am 12. Juni auf dem Nachhauseweg nahe der Stadt Hebron mutmaßlich von zwei Terroristen der radikal-islamischen Hamas entführt worden. Nach einer über zweiwöchigen Suchaktion, bei der die israelische Armee fast die gesamte Führung der Hamas im Westjordanland festnahm, konnten am 30. Juni nur noch die sterblichen Überreste der Jugendlichen geborgen werden. Der höchste Repräsentant der EKD im Heiligen Land, Propst Wolfgang Schmidt (Jerusalem), warnt vor einer neuen Spirale der Gewalt. „Viele haben jetzt Angst vor einer weiteren Eskalation, nämlich dass es Vergeltungsschläge Israels geben könnte“, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Besonders angesichts des gerade begonnenen Fastenmonats Ramadan befürchtet Schmidt, dass die Emotionen weiter hochkochen könnten. Durch den Verzicht auf Nahrung von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang könne schon ein kleiner Streit schnell ausufern. Nüchtern bewertet der Nahost-Korrespondent des Christlichen Medienverbunds KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten), Johannes Gerloff (Jerusalem), die Situation: „Israel muss jetzt hart reagieren, damit die Hamas zur Einsicht kommt, dass sich Entführungen nicht lohnen.“ Wenige Tage vor der Entführung hatte Hamas-Chef Chaled Maschaal noch ausdrücklich dazu aufgefordert, Israelis zu verschleppen. Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, steht nach Meinung von Gerloff vor einem Dilemma. Es werde ihm schwerfallen, die Einheitsregierung seiner Fatah mit der Hamas aufzukündigen.
Kein Rückhalt für Abbas
Abbas habe in der Bevölkerung keinen Rückhalt für Gespräche mit Israel oder eine Zwei-Staaten-Lösung. Die Hamas sei hingegen für ihre kompromisslose Ablehnung des jüdischen Staates beliebt. „Fatah und Hamas vertreten unvereinbare Ideologien, und man hat den Eindruck, sie kommen eher mit Israel klar als miteinander“, so Gerloff. Der Zusammenschluss sei aber eine Reaktion auf noch radikalere salafitische Kräfte, die für beide Organisationen eine Herausforderung darstellten. Zudem habe sich die Hamas in der arabischen Welt isoliert. An einem Sturz der im Gaza-Streifen regierenden Terrororganisation könne Israel allerdings kein Interesse haben. Zwar gebe es keine Gespräche zwischen Israel und der Hamas, aber „Spielregeln, an die sich beide halten“. Dies verleihe dem Verhältnis eine gewisse Berechenbarkeit. Nach der Beerdigung der drei ermordeten Jugendlichen am 1. Juli wird das Sicherheitskabinett unter Vorsitz von Premierminister Benjamin Netanjahu zusammentreten, um über mögliche Reaktionen zu entscheiden. Bereits am Tag zuvor hatte Israels Verteidigungsminister Moshe Yaalon den Tätern gedroht: „ Wir werden nicht aufhören, die Mörder der Jungen zu jagen, und wir werden nicht ruhen, bis wir sie in unseren Händen haben.“ Der israelische Geheimdienst verdächtigt die Hamas-Aktivisten Marwan Kawasme (29) und Amar Abu Aischa (33), die Tat begangen zu haben.