08.07.2014

Griechenland: Internationale Bibelverteilaktion in Gefahr

Griechisch-orthodoxe Kirche warnt vor Bibelverteilaktion: 300 Christen aus aller Welt wollen auf Chalkidiki Neue Testamente weitergeben

Griechenland: Internationale Bibelverteilaktion in Gefahr

Griechisch-orthodoxe Kirche warnt vor Bibelverteilaktion:

300 Christen aus aller Welt wollen auf Chalkidiki Neue Testamente weitergeben

 

Chalkidiki (idea) – Im Norden Griechenlands wollen rund 300 Christen aus aller Welt Neue Testamente verteilen. Doch die griechisch-orthodoxe Kirche warnt vor der Aktion. Die Evangelikalen hätten die Absicht, Kirchenmitglieder abzuwerben, heißt es zur Begründung. Auf der Halbinsel Chalkidiki nahe Thessaloniki führt das Missionswerk „Hellenic Ministries“ (Hellenisches Missionswerk) seine diesjährige Sommeraktion durch. Nach Angaben des Informationsdienstes Assist sollen rund 150.000 Haushalte Neue Testamente in moderner griechischer Sprache erhalten. Bei dem Projekt engagieren sich Ehrenamtliche aus Griechenland sowie Australien, Großbritannien, Island, Kanada, Neuseeland, Rumänien, Südafrika und den USA. Das Missionswerk begründet die Aktion damit, dass sehr wenige Griechen eine Bibel besäßen. Noch weniger hätten sie in einer verständlichen Übersetzung gelesen, denn die meisten Bibeln seien auf Altgriechisch verfasst. Die Heilige Schrift werde als ein Buch angesehen, dass nur Theologen oder Priester verstehen und deuten könnten.


„Negative Absichten in positive Werbung verwandeln“

Die griechisch-orthodoxe Kirche unterstellt dem Missionswerk unlautere Motive. Unter dem Vorwand der Bibelverbreitung wolle die „neo-protestantische Gruppe“ orthodoxe Kirchenmitglieder abwerben. Griechenland könne solche „modernen Irrlehren“ und „selbsternannten Prediger“ nicht brauchen. Jonathan Macris, Präsident von Hellenic Ministries, ruft zum Gebet dafür auf, dass Gott „negative Absichten in positive Werbung verwandelt“. In den Päckchen, die an den Haustüren übergeben werden sollen, befinden sich neben einem gedruckten Neuen Testament auch eine Hörbibel und Kontaktinformationen zum Alpha-Glaubenskurs.

Im vorigen Jahr wurden Verteiler festgenommen

Schon im vorigen Juli war eine derartige Bibelverteilaktion im Norden Griechenlands auf Widerstand gestoßen. 57 Mitglieder eines internationalen Teams wurden am 27. Juli im Ort Nea Iraklitsa vorläufig festgenommen, nachdem örtliche orthodoxe Priester gegen die Initiative protestiert hatten. Einige forderten ihre Gemeindemitglieder auf, die Bibeln zu verbrennen, denn es könne sich nicht um ein heiliges Buch handeln, wenn es von „Ketzern“ verteilt werde. Von den elf Millionen Griechen sind etwa 91,5 Prozent Mitglieder einer Kirche, 5,8 Prozent Muslime und der Rest meist Nicht-Religiöse. Unter den Kirchenmitgliedern stellen die Orthodoxen mit fast 92 Prozent den Löwenanteil. Der Anteil der Katholiken beträgt 1,5 Prozent; die übrigen sind Protestanten unterschiedlicher Denominationen. Die Zahl der Evangelikalen beziffert Hellenic Ministries auf etwa 20.000.