02.06.2014
Sudan: Die Welt bangt weiter
Außenministerium dementiert baldige Freilassung der zweifachen Mutter und Christin
Sudan: Die Welt bangt weiter
Außenministerium dementiert baldige Freilassung der zweifachen Mutter und Christin
Khartum/Göttingen (idea) – Das Bangen um die im Sudan zum Tode verurteilte Christin Mariam Yahia Ibrahim Ishag geht weiter. Die 27 Jahre alte Ärztin war Mitte Mai in der Hauptstadt Khartum wegen „Abfalls vom Islam“ zum Tod durch Erhängen verurteilt worden. Die hoch Schwangere hatte sich geweigert, binnen drei Tagen dem christlichen Glauben abzuschwören. Am 26. Mai brachte sie im Gefängnis eine Tochter zur Welt; dabei war sie angekettet. Sie ist bereits Mutter eines 20 Monate alten Sohnes, der sich mit ihr hinter Gittern befindet. Die Vollstreckung des Todesurteils soll ausgesetzt werden, bis sie ihr neugeborenes Kind abgestillt hat, also in etwa zwei Jahren. Vor der Hinrichtung soll sie mit 100 Peitschenhieben wegen „Hurerei“ bestraft werden, weil sie einen Christen geheiratet hat. Ihr Ehemann, der an den Rollstuhl gefesselte Arzt Daniel Wani, sagte, er könne für seine Frau und die Kinder nur noch beten. Das Schicksal der Familie hat weltweit Entsetzen und Proteste ausgelöst.
Keine vorzeitige Freilassung
Ishag gilt dem islamischen Religionsgesetz, der Scharia, zufolge des Todes würdig, weil sie vom Islam „abgefallen“ sei. Als Tochter eines muslimischen Vaters und einer christlichen Mutter gilt sie von Geburt an als Muslimin. Doch ihr Vater hat die Familie nach sechs Jahren verlassen. Ishag selbst sagt zu ihrer Religionszugehörigkeit: „Ich bin Christin und war niemals Muslimin.“ Zuletzt war Hoffnung aufgekeimt, dass die radikal-islamische sudanesische Regierung sie vor dem Strang bewahren und doch bald freilassen könnte. Die britische Rundfunkgesellschaft BBC berief sich in einer Meldung vom 31. Mai auf Abdullah Alzareg, einen hohen Beamten im sudanesischen Außenministerium. Doch das Ministerium dementierte umgehend. Die Regierung werde sich nicht in Angelegenheiten der unabhängigen Justiz einmischen.
Im Sudan ist der Rechtsstaat eine Farce
Dies bezeichnet die Menschenrechtsorganisation „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (Göttingen) als eine Farce: „Es ist lächerlich, dass sich eine Regierung, die bei schweren Menschenrechtsverletzungen Straflosigkeit propagiert, nun zum Retter des Rechtsstaates erklärt.“ Im Sudan gebe es für Opfer von Mord, Vergewaltigung oder Vertreibung in den Bürgerkriegsregionen keine Gerechtigkeit – „erst recht nicht, wenn es Andersgläubige sind“. Von einer unabhängigen Rechtsprechung könne keine Rede sein. Ferner sei Präsident Omar Hassan al Bashir weltweit das einzige Staatsoberhaupt, das per Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (Niederlande) wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht wird.
Weltweite Proteste gegen Todesurteil
Politiker und Kirchenvertreter in aller Welt haben gegen das Todesurteil für Ishag protestiert und zur Fürbitte aufgerufen. Für die Christin setzen sich unter anderem die Weltweite Evangelische Allianz (WEA), die EKD und die (katholische) Deutsche Bischofskonferenz ein. Die Kommission für Religionsfreiheit der WEA spricht von einem „Fehlurteil“ sowie einer krassen Verletzung der Menschenrechte, der sudanesischen Verfassung und der Werte des Islam. Im Sudan ist der Islam Staatsreligion.