06.06.2014
Nigeria: Boko Haram verübt blutigste Anschläge
Anglikanischer Unterhändler verhandelt mit radikal-islamischer Terrorgruppe
Nigeria: Boko Haram verübt blutigste Anschläge
Anglikanischer Unterhändler verhandelt mit radikal-islamischer Terrorgruppe
Abuja (idea) – In Nigeria hat die radikal-islamische Terrorgruppe Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) ihre bisher blutigsten Anschläge verübt. Nach Schätzungen wurden am 4. und 5. Juni bis zu 500 Menschen bei Angriffen auf Häuser, Kirchen und Moscheen im Nordosten des Landes getötet. Unterdessen bemühen sich führende Anglikaner um die Freilassung der mehr als 200 meist christlichen Schülerinnen, die die Organisation seit dem 14. April in ihrer Gewalt hat. Das geistliche Oberhaupt der rund 77 Millionen Anglikaner, Erzbischof Justin Welby (London), flog am 4. Juni spontan in die nigerianische Hauptstadt Abuja, um mit dem christlichen Staatspräsidenten Goodluck Jonathan und dem Oberhaupt der Anglikaner in Nigeria, Erzbischof Nicholas Okoh, zu beten. Ferner wurde bekannt, dass ein enger Vertrauter Welbys, der frühere Domherr an der Kathedrale von Coventry Stephen Davis, als Unterhändler mit Boko Haram über die Freilassung der Mädchen verhandelt. Welby war in seinem ehemaligen Beruf als Ölmanager bereits als Vermittler zwischen Rebellen und der Regierung in Nigeria tätig.
Steinmeier: Deutschland will helfen
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte den Terror von Boko Haram scharf. In einem Telefongespräch mit seinem nigerianischen Kollegen Aminu Wali sagte er Unterstützung im Kampf gegen die Terrorgruppe zu. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), lehnte Militärhilfe jedoch ab. Das würde zu einem furchtbaren Massaker führen, sagte er im ARD-Morgenmagazin. Zehn nigerianische Generäle und fünf hochrangige Offiziere sind unterdessen der Kooperation mit Boko Haram überführt worden. Sie sollen der Terrorgruppe Waffen und Geheiminformationen zur Verfügung gestellt haben.
Boko-Haram-Anführer: Krieg den Christen!
Boko Haram will in west- und zentralafrikanischen Ländern mit Gewalt einen Gottesstaat einführen; alle Bürger müssten sich dann dem islamischen Religionsgesetz, der Scharia, unterwerfen. Seit fünf Jahren verübt die Gruppe mit Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida Anschläge vor allem auf Schulen und Kirchen. Allein in diesem Jahr sind ihnen mindestens 2.000 Menschen zum Opfer gefallen. Anführer Abubakar Shekau erklärte in einem Video, der „Krieg“ richte sich gegen die „schädlichen Einflüsse“ von Christen. Er hat sich auch damit gebrüstet, dass die entführten Schülerinnen für umgerechnet neun Euro als „Sklavinnen“ an Muslime veräußert und zwangsverheiratet würden. Damit gelten sie als Musliminnen. Shekau: „Es gibt einen Markt für Mädchen. Ich werde sie auf dem Markt verkaufen. Allah will es so.“ Von den 169 Millionen Einwohnern des Nigerias sind etwa 50 Prozent Muslime und 48 Prozent Christen. Die übrigen sind Anhänger von Naturreligionen.