10.06.2014
Sudan/EU: Zum Tode verurteilte Christin freilassen!
Brüssel (idea) – Die Freilassung der im Sudan zum Tode verurteilten Christin Mariam Yahia Ibrahim Ishag haben Spitzenvertreter der Europäischen Union, der Kirchen und mehrerer Weltreligionen gefordert. Sie kamen am 10. Juni auf Einladung des Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, in Brüssel zusammen. Bei dem Treffen ging es um die Zukunft der EU und den Beitrag der Religionsgemeinschaften. In einer Erklärung, die EU-Spitzenpolitiker sowie Repräsentanten von Christen, Juden, Muslimen, Hindus, Sikhs und Mormonen verabschiedeten, heißt es, die sudanesischen Behörden müssten das Todesurteil gegen die 27-jährige Christin aufheben. Die Unterzeichner – darunter Barroso, EU-Ratspräsident Herman van Rompuy und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz – erinnerten den Sudan an seine Verpflichtung, nach internationalem Recht die Religionsfreiheit zu schützen. Ishag war Mitte Mai in der Hauptstadt Khartum wegen „Abfalls vom Islam“ zum Tod durch Erhängen verurteilt worden. Die hoch Schwangere hatte sich geweigert, binnen drei Tagen dem christlichen Glauben abzuschwören. Am 26. Mai brachte sie im Gefängnis eine Tochter zur Welt; dabei war sie angekettet. Sie ist bereits Mutter eines 20 Monate alten Sohnes, der sich mit ihr hinter Gittern befindet. Die Vollstreckung des Todesurteils soll ausgesetzt werden, bis sie ihr neugeborenes Kind abgestillt hat, also in etwa zwei Jahren. Vor der Hinrichtung soll sie mit 100 Peitschenhieben wegen „Hurerei“ bestraft werden, weil sie einen Christen geheiratet hat und diese Eheschließung nach dem islamischen Religionsgesetz, der Scharia, nicht anerkannt wird.
Schneider: Gegen Europa-Verdrossenheit engagieren
Die Spitzen der EU und die Religionsvertreter treffen sich einmal im Jahr, um über aktuelle Themen zu sprechen. Die Zusammensetzung der Runde ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Unter den kirchlichen Vertretern waren in diesem Jahr der EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider (Berlin), der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), und die Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche, Rosemarie Wenner (Frankfurt am Main). Schneider ermutigte dazu, den europäischen Gedanken nicht aufzugeben. Auch Kirchen und Religionsgemeinschaften stünden in der Verantwortung, Europa als Heimat und als geistliches Zuhause erlebbar zu machen. Außerdem hätten sie dank der grenzüberschreitenden und völkerverbindenden Kraft des Glaubens die Chance, Menschen zu einem gemeinsamen europäischen Weg zu ermutigen. Das Religionsführertreffen fand zum zehnten Mal statt.