13.06.2014

Irak: Ein chaldäisch irakischer Priester berichtet

Levante im engeren Sinn umfasst die geografische Bezeichnung Levante Küsten und Hinterland der Anrainerstaaten der östlichen Mittelmeerküste, also die heutigen Staaten Syrien, Libanon, Israel, Jordanien sowie die palästinensischen Autonomiegebiete. Abkürzungen dafür sind: ISIS, ISIL oder Daaisch (wikipedia)

Irak: Ein chaldäisch irakischer Priester berichtet

Levante im engeren Sinn umfasst die geografische Bezeichnung Levante Küsten und Hinterland der Anrainerstaaten der östlichen Mittelmeerküste, also die heutigen Staaten Syrien, Libanon, Israel, Jordanien sowie die palästinensischen Autonomiegebiete. Abkürzungen dafür sind: ISIS, ISIL oder Daaisch (wikipedia)

Nicht alle Rebellen sind “Terroristen” 

Mossul (Fides) – Die Situation in Mossul sei “dem Anschein nach ruhig”. Die Menschen hätten die Stadt unterdessen verlassen, weil sie fürchteten, dass es bei den Gefechten zwischen der Armee und den Aufständischen auch zivile Opfer hätte geben könnten. Der schnelle Vormarsch der Aufständischen sei aber nicht nur durch die Unterstützung der Dschihadisten des “Isalmischen Staat im Irak und Levante (ISIL)” zu erklären, sondern auch dadurch, dass diese von weiten Teilen der sunnitischen Bevölkerung unterstützt werden, die die Regierung in Bagdad ablehnen. In seiner Einschätzung der Lage analysiert der chaldäische Priester Paul Thabit Mekko – der ebenfalls aus Mossul in die nahe gelegene Ninive-Ebene floh, die dramatische Entwicklung im Detail. Die Lage, so der katholische Geistliche, sei viel komplexer als sie von der internationalen Presse dargestellt werde.
Wie der Irakische Priester betont, kam es nach der Flucht der Armee und der Polizei aus Mossul zu keinen weiteren Übergriffen und Gefechten. Es werde auch für die Bereitstellung von Dienstleistungen und die Verteilung von Treibstoff gesorgt. Erste Familien, die in die Ninive-Ebene geflohen waren, kehrten in die Stadt zurück, zumindest um den Zustand der eigenen Häuser und Wohnungen zu überprüfen.
“Aus ihren Berichten”, so Pfarrer Thabit, “geht hervor, dass die bewaffnetten Gruppen, die seit Montag Mossul kontrollieren, größtenteils aus irakischen Kämpfern bestehen, die aus Mossul oder den umliegenden Dörfern stammen. Man kann sie also nicht alle als ‚Terroristen’ aus dem Ausland bezeichnen. Bei öffentlichen Versammlungen bekräftigen sie, dass sie die Ordnung garantieren und die Bevölkerung beschützen wolle und gegen die Ungerechtigkeit der Regierung in Bagdad kämpfe. In ihren Reden betonten sie vor allem die Ablehnung der Regierung al-Maliki. Es soll bereits ein neuer Gouverneur gewählt worden sein”.
Ein wichtige Rolle spielen derzeit auch die kurdischen Peschmerga-Milizen: “Gegenwärtig werden wir hier in der Gegend von kurdischen Soldaten aus Erbil ‚beschützt’”, bestätigt der Priester. Peschmerga kontrollieren Checkpoints entlang der Straße von Mossul nach Erbil und bewachen die Stadt Kirkuk, in der viele Kurden leben. “Bisher”, so der chaldäische Geistliche, “gab es keine Gefechte zwischen Kurden und Sunniten. Letztere sind auf dem Vormarsch in den Süden und wollen Bagdad erobern und es entsteht der Eindruck, dass sie nicht den Konflikt mit den Kurden im Norden suchen“. Seit gestern wurden erstmals seit dem Sturz des Regimes unter Saddam Hussein, auf den öffentlichen Gebäuden und dem Polizeipräsidium in Alqosh kurdische Fahnen gehisst. “Es bereitet uns Sorge”, so Pfarrer Thabit abschließend, “wenn wir im Fernsehen hören, dass die ganze Bevölkerung zu den Waffen greifen und gegen die Terroristen kämpfen soll. Angesichts der derzeitigen Lage, würde jede falsche Entscheidung zu einem Blutbad führen”. (GV) (Agenzia Fides 13/6/2014).

Wer sind die kurdischen Peschmerga-Milizen?

"Die Kurden verwalten im Norden des Landes ein autonomes Gebiet, das von den Wirren und der Gewalt im Irak nach dem amerikanischen Einmarsch 2003 verschont geblieben ist. Ein Grund dafür sind ihre gut organisierten Peschmerga-Milizen." -schreibt die Neue Züricher Zeitung von heute.

Weiter heißt es: Die sunnitischen Isis-Kämpfer rückten am Donnerstag bis in das Umland der Hauptstadt Bagdad vor. Sie nahmen nach übereinstimmenden Berichten beider Seiten mehrere Orte nördlich der Hauptstadt ein und eroberten erste Bezirke von Udhaim, 90 Kilometer von Bagdad entfernt. In Bakuba rund 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt sind bei Gefechten zwischen Islamisten und der irakischen Armee Dutzende Menschen ums Leben gekommen.

Beunruhigt über den Vormarsch der ISIS Truppen ist auch die Türkei. Denn auch  in Syrien kämpfen diese gegen die Regierung von Bashar al-Asad. Islamisten streben eine Verschmelzung seiner Einflussgebiete zu einem islamistischen Gottesstaat an. Damit grenzt dann die Türkei an zwei streng islamische Staaten. Zudem sollen sich 80 türkische Staatsbürger in der Gewalt des Isis befinden. Die Regierung in Ankara wird die rechtlichen Voraussetzungen für einen Militäreinsatz im Irak prüfen.