20.06.2014
Naher Osten: Notleidende nicht vergessen
Syrien: Größte humanitäre Katastrophe der vergangenen zehn Jahre
Naher Osten: Notleidende nicht vergessen
Syrien: Größte humanitäre Katastrophe der vergangenen zehn Jahre
Hannover/Bonn (idea) – Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni haben die beiden großen Kirchen in Deutschland dazu aufgerufen, die Notleidenden im Nahen Osten nicht zu vergessen. „Der blutige Konflikt in Syrien, der in den vergangenen Tagen auch auf den Irak übergegriffen hat, ist die größte humanitäre Katastrophe der vergangenen zehn Jahre“, erklärte Bischof Norbert Trelle (Hildesheim), Vorsitzender der Migrationskommission der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz. Täglich nehme die Zahl der Getöteten, Verletzten und Traumatisierten zu. Der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der EKD, Kirchenpräsident Volker Jung (Darmstadt), warnte davor, sich an das Leid zu gewöhnen. Wegschauen sei keine Option: „Hilfe ist angesichts der militärischen Eskalation in der Region jetzt dringender denn je.“ Mehr als 150.000 Menschen sind bei den Kämpfen in Syrien bisher ums Leben gekommen. Etwa neun Millionen befinden sich auf der Flucht. Laut einer in Bonn und Hannover veröffentlichten Mitteilung der Bischofskonferenz und der EKD äußerten sich Jung und Trelle auch zum Beschluss der Innenministerkonferenz, weitere 10.000 syrische Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen: „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und wir hoffen, dass diesem in Deutschland und Europa noch weitere folgen.“ Zwei Hilfsorganisationen der Kirchen, Caritas International und Diakonie Katastrophenhilfe, erinnern mit der ökumenischen Sommeraktion „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“ an die verzweifelte Lage der Syrer. Die Werke beteiligen sich an der Versorgung der Flüchtlinge in Syrien, der Türkei, im Irak, in Jordanien und im Libanon. Jung und Trelle appellieren an die Kirchengemeinden, in den kommenden Wochen verstärkt über die Arbeit dieser Hilfswerke zu informieren und sie finanziell zu unterstützen.
Höchste Flüchtlingszahl seit 1945
Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen hat die Zahl der Flüchtlinge zum Jahresende 2013 mit mehr als 51 Millionen einen Höchststand seit 1945 erreicht. Ende 2012 seien es rund 45 Millionen gewesen. Als Hauptgründe für den Anstieg nannte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres, zahlreiche langanhaltende Konflikte wie in Syrien und Afghanistan. Besonders groß ist der Flüchtlingsstrom aus Afghanistan (2,6 Millionen), Syrien (2,5 Millionen) und Somalia (1,1 Millionen). Pakistan nahm die meisten Schutzsuchenden auf (1,6 Millionen). Gemessen an der Bevölkerungszahl muss der Libanon aber noch einen größeren Andrang verkraften: Dort kommen auf 1.000 Einwohner 178 Flüchtlinge. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 110.000 Erstanträge auf Asyl gestellt. Das waren 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bundesrepublik ist damit der Staat mit den meisten Anfragen.