22.06.2014
Südsudan: EKD sieht Friedensprozess in Gefahr
Delegation reiste in die Krisenregion – Gespräche auch im Sudan
Südsudan: EKD sieht Friedensprozess in Gefahr
Delegation reiste in die Krisenregion – Gespräche auch im Sudan
Hannover/Khartum/Juba (idea) – Die Kriegsgefahr im Südsudan ist nach Einschätzung des EKD-Ratsvorsitzenden, Nikolaus Schneider (Berlin), noch nicht gebannt. Der kürzlich geschlossene Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien „ist mehr als zerbrechlich“, sagte er nach der Rückkehr von einer Reise in die Krisenregion. Schneider besuchte mit einer EKD-Delegation vom 16. bis 21. Juni den islamisch dominierten Sudan und den christlich geprägten Südsudan. Man habe damit deutlich machen wollen, dass die dortigen Christen nicht vergessen seien, so der Ratsvorsitzende laut einer Mitteilung der EKD-Pressestelle in Hannover. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind im Südsudan seit Ausbruch des Bürgerkriegs im Dezember mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Über eine Million seien vertrieben. Der südsudanesische Präsident Salva Kiir und sein Rivale Riek Machar hatten sich vor kurzem auf ein Abkommen geeinigt, das die Gewalt in dem ostafrikanischen Land beenden soll. Schneider nannte es ein ermutigendes Zeichen, dass die Kirchen im Südsudan sich erfolgreich in den Vermittlungsprozess zwischen den Konfliktparteien eingeschaltet hätten. Als katastrophal bezeichnete er die humanitäre Lage. In der jetzt beginnenden Regenzeit drohten weiten Teilen der Bevölkerung eine Hungersnot. „Die Menschen im Südsudan bleiben dringend auf unsere Unterstützung und Hilfsleistungen angewiesen“, so der Ratsvorsitzende. Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Diakonie Katastrophenhilfe fördern in der Krisenregion lokale Projekte.
Sudan: Religionsfreiheit zunehmend eingeschränkt
Bei ihren Gesprächen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum setzte sich die Delegation für die zum Tode verurteilte Christin Mariam Yahia Ibrahim Ishag ein. Sie weigert sich, ihrem Glauben abzuschwören. Im Gefängnis brachte sie ein Mädchen zur Welt; ihr 20 Monate alter Sohn befindet sich ebenfalls mit ihr in der Zelle. Bei der Begegnung mit dem Kirchenrat im Sudan ging es ferner um die zunehmend eingeschränkte Religionsfreiheit für Christen. Laut der EKD wurden Kirchen und Bibelschulen zerstört. Der Gottesdienstbesuch an christlichen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern sei nicht länger geschützt. Seit der Ausrufung eines unabhängigen multireligiösen Staates Südsudan im Juli 2011 verstärkt die Regierung in Khartum die Islamisierung des Nordens. Gegen Staatspräsident Umar al-Baschir hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (Niederlande) einen Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgestellt. Er hatte nach der Unabhängigkeit des Südsudans angekündigt, dass sein Land den Islam als Staatsreligion und die Scharia als Grundlage des Rechts einführen werde. Der Bildung des Südstaates war ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg vorausgegangen, in dem muslimische Milizen den Süden zu islamisieren versuchten. Dabei kamen über zwei Millionen Menschen um; sieben Millionen wurden vertrieben. Vor der Abspaltung des Südens hatte der Sudan rund 36 Millionen Einwohner; davon waren fast zwei Drittel Muslime. Von den knapp 8,3 Millionen Einwohnern des Südsudans gehören die meisten zur katholischen oder anglikanischen Kirche. Hinzu kommen Anhänger von Naturreligionen.