23.06.2014

Christustag: Jetzt ist Zeit zum Aufstehen!

Mit dem Christustag an Fronleichnam in Stuttgart sind evangelikale Verantwortliche auf die EKD zugegangen. Hat das positive Folgen? Ein Beitrag von Helmut Matthies (idea)

Christustag: Jetzt ist Zeit zum Aufstehen!

Mit dem Christustag an Fronleichnam in Stuttgart sind evangelikale Verantwortliche auf die EKD zugegangen. Hat das positive Folgen?

Ein Beitrag von Helmut Matthies (idea)

Es war ein Wagnis, wieder zu einem zentralen Treffen evangelikaler Christen in Deutschland einzuladen. Die letzten beiden – die Gemeindetage unter dem Wort 1994 in Siegen und in Stuttgart 2002 – hatten durch geringe Besucherzahlen entmutigt. Nun starteten die württembergische ChristusBewegung Lebendige Gemeinde, die Evangelische Allianz und der CVJM neu, bezeichneten es als Christustag und gaben ihm mit der Initiative „Zeit zum Aufstehen“ einen starken geistlichen Akzent. Die Verlesung dieses Aufrufs zu einer Erneuerung der Kirche durch die Bindung allein an Christus und die Bibel war ein Glanzpunkt des Christustages an Fronleichnam (19. Juni) in Stuttgart.

Die Veranstalter bezogen EKD wie Landeskirchen bewusst ein und vermieden kontroverse Themen. Im Vorfeld gab es Kritik daran, dass die EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 – Margot Käßmann – sprechen sollte, nervt sie doch besonders Evangelikale damit, die Jungfrauengeburt von Jesus sei eine überholte Vorstellung. Aber die Landesbischöfin i. R. warb dann in ihrem Grußwort vor allem für das Welttreffen der Reformation 2017 in der Lutherstadt Wittenberg.

Wenn 30.000 Christen im Straflager sind

Mit Skepsis wurde von vielen der Koreaner James C. K. Kim erwartet. Denn es hieß, er habe ausgerechnet im Christenverfolgerstaat Nr. 1 – Nordkorea – eine christliche Universität gegründet. Was er über seinen Glaubensmut berichtete, bewegte sicher viele. Weniger dagegen überzeugten seine Ansichten über die kommunistische Volksrepublik. Ein kleiner Andachtsraum auf einem weithin abgeschlossenen Universitätsgelände darf nicht vergessen machen, dass sich mindestens 30.000 (!) Christen in Straflagern befinden. Auch Hitler und Stalin machten für ausländische Besucher spektakuläre Ausnahmen, wenn es denn dem Vertuschen von Verbrechen diente. Wie gut, dass am Nachmittag der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, in seiner flammenden Rede zum Protest gegen Christenverfolgung aufrief! Für einen geradezu evangelistischen Akzent sorgte danach der Theologieprofessor Hans-Joachim Eckstein, der darauf hinwies, dass uns mit der Ewigkeit Großes und Schönes erwartet, auf das wir uns freuen dürfen.

Der Nachmittag war für viele der Höhepunkt des Tages, nachdem sich schon manche gefragt hatten, warum nicht statt des Koreaners Ulrich Parzany, Peter Hahne, Winrich Scheffbuch oder Theo Lehmann predigten. Der Evangelist aus Chemnitz hätte aufzeigen können, dass eine Großevangelisation in Leipzig zu den Friedensgebeten und ein Bibelwort („Schwerter zu Pflugscharen“) zum positivsten Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte führten – dem Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren.

Dürfte Jesus beim Kirchentag mitwirken?

Insgesamt war der Christustag für mehr als 21.000 Besucher ein glaubensstärkendes Ereignis, das nach einer Wiederholung geradezu schreit. Doch jetzt geht es erst einmal um den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart im nächsten Jahr. Die evangelikalen Verantwortlichen sind mit dem Christustag der Volkskirche weit entgegengekommen, indem sie nicht nur auf Kritik verzichteten, sondern sie auch eingebunden haben. Wenn jetzt zumindest die gastgebende württembergische Landeskirche nicht auf das Kirchentagspräsidium einwirkt, wenigstens den Beschluss zurückzunehmen, dass messianische Juden nicht aktiv teilnehmen dürfen, hätte man der evangelikalen Bewegung geradezu demonstriert: Ein Aufeinanderzugehen ändert nichts. Im Übrigen: Auch Jesus wie Paulus waren messianische Juden. Sie könnten nach jetzigem Stand beim Kirchentag nicht mitwirken.

(Der Autor, Helmut Matthies, ist Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).)