23.06.2014
Sudan: Zum Tode verurteilte Christin kommt frei
Nach internationalen Protesten: Berufungsgericht ordnet Entlassung an
Sudan: Zum Tode verurteilte Christin kommt frei
Nach internationalen Protesten: Berufungsgericht ordnet Entlassung an
Khartum (idea) – Das Martyrium der im Sudan zum Tode verurteilten Christin Mariam Yahia Ibrahim Ishag geht zu Ende. Überraschend hat ein Berufungsgericht in Khartum am 23. Juni das Urteil aufgehoben und die Freilassung der 27 Jahre alten Frau angeordnet. Das berichtet die sudanesische Nachrichtenagentur Suna. Nach Angaben ihres Rechtsanwalts El Shareef Mohammed befindet sie sich bereits mit ihren zwei Kleinkindern auf dem Heimweg. Gründe für die Gerichtsentscheidung seien nicht genannt worden, erklärte der Jurist der Londoner Zeitung „The Times“ zufolge. Ishag war Mitte Mai wegen „Abfalls vom Islam“ zum Tod durch Erhängen und 100 Peitschenhieben verurteilt worden. Die hoch Schwangere hatte sich geweigert, binnen drei Tagen dem christlichen Glauben abzuschwören. Am 26. Mai brachte sie ohne medizinische Hilfe im Gefängnis eine Tochter zur Welt; dabei war sie mit einer Fußfessel angekettet. Sie ist bereits Mutter eines 21 Monate alten Sohnes, der sich mit ihr hinter Gittern befand. Die Vollstreckung des Todesurteils sollte ausgesetzt werden, bis sie ihr neugeborenes Kind abgestillt habe. Ferner sollte sie mit 100 Peitschenhieben wegen „Hurerei“ bestraft werden, weil sie einen Christen geheiratet hat. Als Tochter eines muslimischen Vaters und einer christlichen Mutter galt sie aus islamischer Sicht von Geburt an als Muslimin. Doch ihr Vater hat die Familie nach sechs Jahren verlassen. Ishag selbst erklärte zu ihrer Religionszugehörigkeit: „Ich bin Christin und war niemals Muslimin.“ Ihr Ehemann, der an den Rollstuhl gefesselte Arzt Daniel Wani, sagte, er könne für seine Frau und die Kinder nur noch beten.
Kauder: Die Frau darf nicht hingerichtet werden
Der Fall hat international Entsetzen und scharfe Proteste ausgelöst. Unter anderem forderten Spitzenvertreter der Europäischen Union, der Kirchen und mehrerer Weltreligionen ihre Freilassung. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (Berlin), kündigte am 19. Juni vor rund 21.000 Teilnehmern des Christustages in Stuttgart an, einen Kollegen in den Sudan zu entsenden, um die junge Mutter in der Haft zu besuchen. Kauder: „Die junge Frau darf nicht hingerichtet werden, nur weil sie ihrem Glauben nicht abschwört.“ Ihre Freilassung hatte auch der EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider (Berlin), gefordert, der mit einer Delegation vom 16. bis 21. Juni den Sudan und den Südsudan besucht hatte.