24.06.2014

Nigeria: Erneute Entführungen

Wieder eine Massenentführung im Norden des westafrikanischen Landes durch Boko Haram

Nigeria: Erneute Entführungen

Wieder eine Massenentführung im Norden des westafrikanischen Landes durch Boko Haram

Maiduguri (idea) – In Nigeria hat die radikal-islamische Terrorgruppe Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) erneut Dutzende Menschen entführt. Nach Angaben einer Bürgerwehr haben die Extremisten zwischen dem 19. und 22. Juni in mehreren Dörfern des nordnigerianischen Bundesstaates Borno 60 Frauen, Mädchen und Kleinkinder sowie 31 Männer verschleppt. Die Bürgerwehr hatte sich aus Widerstand gegen Boko Haram gebildet. Nach Angaben eines ihrer Sprechers, Aji Khalil, sind bei dem Überfall auf die Dörfer, von denen mindestens eines komplett niedergebrannt wurde, vier Menschen getötet worden. Das berichtet die nigerianische Zeitung Premium Times. Laut einer weiteren Quelle, auf die sich die ebenfalls in Nigeria erscheinende Zeitung The Vanguard beruft, sollen bei der Erstürmung der Dörfer mindestens 30 Personen getötet worden sein. Die betroffene Gegend befindet sich rund 100 Kilometer von der Provinzhauptstadt Maiduguri entfernt.

Regierung unter Druck

Die nigerianische Regierung wollte zu den Vorwürfen zunächst keine Stellung nehmen. Sie steht nach der Entführung von über 200 meist christlichen Mädchen durch die Terrororganisation im April unter Druck aus der Bevölkerung, die ihr Untätigkeit und mangelnde Erfolge bei der Bekämpfung des Terrors vorwirft. Die ebenfalls aus dem Bundesstaat Borno stammenden Mädchen befinden sich bis heute in der Gewalt von Boko Haram. Erst vor wenigen Tagen hatte sich in Nordnigeria bei der öffentlichen Fernsehübertragung eines Spiels der Fußball-WM ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und dabei 14 Personen getötet. Am 23. Juni starben ebenfalls bei einem Selbstmordanschlag im nordnigerianischen Kano acht Menschen. Boko Haram will in west- und zentralafrikanischen Ländern mit Gewalt einen Gottesstaat einführen; alle Bürger müssten sich dann dem islamischen Religionsgesetz, der Scharia, unterwerfen. Von den 169 Millionen Einwohnern des Nigerias sind etwa 50 Prozent Muslime und 48 Prozent Christen. Die übrigen sind Anhänger von Naturreligionen.