03.03.2014
Ukraine: Mit Gebeten den Krieg verhindern
Krim-Krise: Wie Christen auf die drohende Eskalation reagieren
Ukraine: Mit Gebeten den Krieg verhindern
Krim-Krise: Wie Christen auf die drohende Eskalation reagieren
Simferopol (idea) – Angesichts der Verschärfung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine wächst die Sorge vor einem Krieg. Mit Aufrufen an die politischen Verantwortlichen und Gebeten versuchen Christen, das Schlimmste zu verhindern. Das russische Parlament hatte am 1. März einen Militäreinsatz auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim beschlossen, die zur Ukraine gehört. Präsident Wladimir Putin begründete dies mit der „Bedrohung“ für die dort lebende russische Bevölkerung. Russen stellen fast 60 Prozent der Einwohner. In Sewastopol befindet sich der Hauptstützpunkt von Russlands Schwarzmeerflotte. Russische Truppen brachten inzwischen strategisch wichtige Punkte unter ihre Kontrolle. Die ukrainische Regierung versetzte die Armee in Alarmbereitschaft und ordnete die Mobilmachung der Reservisten an. Man werde die Halbinsel niemals aufgeben, erklärte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk. Spitzenrepräsentanten von Christen und Juden in der Ukraine forderten die russische Regierung am 2. März auf, zur Vernunft zu kommen und sofort alle Truppen von ukrainischem Boden zurückzuziehen. Die Führung in Moskau sei vor Gott für alle nicht wieder gutzumachenden Folgen verantwortlich. Unterzeichner des Appells sind der Kiewer orthodoxe Patriarch Filaret, der griechisch-katholische Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, fünf Spitzenvertreter evangelischer Kirchen und der ukrainische Oberrabiner Yaakov Bleich.
Interreligiöser Rat: Teilung der Ukraine verhindern
Zuvor hatte sich bereits der Interreligiöse Rat der Halbinsel Krim in einer Erklärung gegen eine Teilung der Ukraine gewandt und eine friedliche Lösung der Krise gefordert. Dem Rat gehören Vertreter von Christen, Juden und Muslimen an. Auch der evangelisch-lutherische Pfarrer Markus Göring (Simferopol) unterzeichnete diese Erklärung. Er bezeichnete die Lage gegenüber ideaFernsehen als „absolut angespannt“. Dies hänge damit zusammen, dass die russische Armee zusätzlich zu den Truppen der Schwarzmeerflotte Soldaten auf der Krim zusammengezogen habe. In seiner Gemeinde werde jetzt „ganz besonders um Frieden“ gebetet. Es tue gut, dass Christen aus ganz Europa mitteilten, vor Gott für die Krisenregion einzustehen.
Lutherischer Pfarrer kritisiert russische „Propaganda“
Kritik übte Göring an der Berichterstattung im russischen Fernsehen, in der es heiße, dass radikale Nationalisten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew am Werk seien. Diese „Propaganda“ werde von vielen Bürgern einfach übernommen. Dem Theologen zufolge leben auf der Krim seit vielen Jahrhunderten unterschiedliche Volksgruppen miteinander: „Das hat meistens gut funktioniert.“ Deshalb sollten sich alle Seiten nach Kräften dafür einsetzen, dass dieses Zusammenleben erhalten bleibe.
Christen verstärken das Gebet
Sorge bereitet die drohende Eskalation auch der in der Ukraine tätigen evangelikalen Mission für Süd-Ost-Europa. Fünf Missionare des Werkes sind dort in Verbindung mit Baptistengemeinden im Einsatz, darunter in Donezk im Osten des Landes. Wie Missionsleiter Friedemann Wunderlich (Freudenberg bei Siegen) gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, verstärken die Gemeinden das Gebet. Sie träfen sich täglich, um Gott zu bitten, dass es nicht zum Krieg zwischen Russland und der Ukraine kommt. Die Gemeinden organisierten auch Gebetsketten, bei denen rund um die Uhr jeweils ein Mitglied 30 Minuten für Frieden bete. Ein Teil der Christen faste zusätzlich. Gleichzeitig werde die missionarische Arbeit uneingeschränkt fortgesetzt: „Die Türen stehen offen.“
Mission unter Krim-Tataren
Auf der Halbinsel Krim sind keine Missionare des Werkes stationiert. Allerdings führt das Werk dort missionarische Einsätze unter den rund 300.000 Krim-Tataren durch, die meist Muslime sind. Es gebe auf der Krim nur wenige tatarische christliche Gemeinden, so Wunderlich. Die dortige Missionsarbeit sei in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, weil es zu einer Radikalisierung unter den Muslimen gekommen sei.