08.03.2014

Russland: Protestanten droht Verlust ihre Kirche

Sotschi - Gottesdienststätten in der Olympiastadt Sotchi zu errichten und zu behalten ist manchmal mit Schwierigkeiten verbunden. Obwohl in der Stadt etwa 20.000 Muslime leben, wurde der Bau einer Moschee bisher verweigert. Die Gemeinschaft, die sich in einem Gebetsraum in einem Kellergeschoß versammelt, bekommt immer wieder andere Ausflüchte von den Behörden zu hören, wenn sie meint, ein geeignetes Grundstück für den Bau einer Moschee gefunden zu haben. Es heißt, das Grundstück sei bereits verkauft, es würden Rohrleitungen darunter verlaufen, oder sonst etwas, erklärte eine Vertreterin der Gemeinschaft schon im Jahr 2006 gegenüber Forum 18. Seither hat sich nichts geändert. Probleme beim Bau von Moscheen gibt es nicht nur in Sotchi, sondern auch in anderen Städten, die als „ethnisch russisch“ gelten, wie Moskau und St. Petersburg.

Im Januar 2013 beschloss die Stadtverwaltung von Sotchi, einen Großteil der im Besitz der Stadtgemeinde befindlichen Immobilien zu verkaufen. Die Preise für Immobilien sind in Sotchi auf das dritthöchste Niveau in Russland gestiegen, übertroffen nur von Moskau und St. Petersburg. Das bedeutet für die protestantische Gemeinde „Haus des Evangeliums“, dass sie die Versammlungsstätte verlieren kann, die sie seit 1993 mietfrei nutzt. Die Räumlichkeiten der Kirche umfassen zwei Gebetsräume, eine Sonntagsschule, Büroräume und Abteilungen für missionarische und karitative Dienste. Sie befinden sich in einem Gebäude, das der Gemeinschaft 1993 von der Stadtverwaltung „für karitative und liturgische Zwecke“ überlassen wurde, sowie in von der Gemeinschaft auf eigene Kosten errichteten neuen Gebäuden. 2007 haben „Das Haus des Evangeliums“ und die Immobilienabteilung der Stadtgemeinde Sotchi einen Vertrag unterzeichnet, durch den das Besitzrecht an der Versammlungsstätte an die Kirchengemeinde übertragen wurde und ihr deren kostenlose Benutzung gestattet wurde. Im Februar 2011 beantrage die Kirchengemeinde die Übertragung der Versammlungsstätte in ihr uneingeschränktes Eigentum aufgrund des Bundesgesetzes von 2010 über die Übertragung von in Staats- oder Gemeindeeigentum stehenden Immobilien, die für religiöse Zwecke genutzt werden, an die religiösen Organisationen. Doch dieser Antrag wurde von den Behörden ignoriert.  

Die Übertragung des Eigentumsrechts an Gottesdienststätten nach diesem Gesetz ist nach wie vor für alle Konfessionen problematisch.

Im März 2013 informierte die Stadtverwaltung von Sotchi die Kirchengemeinde „Haus des Evangeliums“, dass ihr Grundstück und Gebäude im Rahmen des Privatisierungsprogramms der Stadtverwaltung versteigert werden würde und das Gesetz von 2010 keine Anwendung fände. Ein Vertreter der Kirche erklärte gegenüber Forum 18, dass er in der guten Lage an einer Hauptstraße im Stadtzentrum den Hauptgrund für den beabsichtigen Verkauf sieht. Der durchschnittliche Preis für Grundstücke ist auf ca. 1.550 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Der Versuch, im Jahr 2011 das Eigentumsrecht zu erwerben war bereits von der Furcht motiviert, dass die Lage des Gebäudes aufgrund des Olympiabooms für Investoren attraktiv werden würde. Derzeit (März 2014) wird das Gebäude wie bisher von der Kirchengemeinde genutzt.

Quelle: Forum 18, Oslo

Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA