12.03.2014

Deutschland: Es studieren potenzielle Imame

Professor für islamische Religionspädagogik: Allah nicht auf den Richter reduzieren

Deutschland: Es studieren potenzielle Imame

Professor für islamische Religionspädagogik: Allah nicht auf den Richter reduzieren

Frankfurt am Main (idea) – Im Islam sollte stärker der liebende und barmherzige statt der strafende Gott in den Mittelpunkt gestellt werden. Das fordert der an der Universität Münster lehrende Professor für islamische Religionspädagogik, Mouhanad Khorchide. Im Koran stelle sich Gott mit den Worten vor „Ich bin der Allbarmherzige“, sagte Khorchide in einem Interview mit dem evangelischen Magazin „chrismon“ (Frankfurt am Main). Gott wolle, „ähnlich wie Eltern gegenüber ihren Kindern, eine lebendige, eine liebende Beziehung zu den Menschen“. Man dürfe Allah nicht auf einen Richter reduziere. Zwar komme im Koran der strafende Gott vor, doch sei er immer auch barmherzig. Laut Khorchide beträgt das Verhältnis des liebenden zum strafenden Gott im Koran 18 zu 1.


Erster deutschsprachiger Korankommentar in Arbeit

Der Religionspädagoge kündigte an, am ersten deutschsprachigen Korankommentar zu arbeiten. Die Arbeit werde mindestens fünf Jahre dauern: „Am Ende werden es wohl mindestens fünf oder acht Bände sein.“ Um den Koran richtig zu verstehen, müsse man den historischen Zusammenhang bedenken und was Gott den Menschen damit heute sagen wolle. Den Unterschied zur historisch-kritischen Forschung in der christlichen Theologie sieht der 43-Jährige darin, dass für Muslime „der Koran tatsächlich das Wort Gottes ist“.

Drohungen von Salafisten

Der früher in Wien auch als Imam tätige Theologe räumt ein, dass seine Sicht vom Islam unter Muslimen umstritten sei. Er habe Drohungen von extremistischen Salafisten erhalten, die ihm vorwarfen, dass er einen falschen Islam lehre. Doch bei allen Kritikern habe er inhaltliche Argumente vermisst: „Wenn wir heute frei denken, fürchten manche, schaffen wir morgen das Gebet ab, übermorgen das Fasten, danach Gott.“ Auch für ihn gebe es im Islam klare nicht verhandelbare Grenzen. Dazu gehörten etwa die Glaubenssätze und die gottesdienstlichen Praktiken.

250 Studierende – 1.200 Bewerber

Khorchide bildet in Münster im Studiengang „Islamische Theologie und Religionslehre“ 250 Studenten zu Wissenschaftlern, Religionslehrern und Imamen aus. 1.200 hätten sich beworben. Er schätzt, dass ein Drittel seiner Studenten potenzielle Imame seien. Der im Libanon geborene und in Saudi-Arabien sowie in Österreich aufgewachsene islamische Theologe ist Autor der Bücher „Islam ist Barmherzigkeit. Grundzüge einer modernen Religion“ und „Scharia – der missverstandene Gott“.