14.03.2014

Türkei: Witwe kritisiert Freilassung von „Christenmördern“

Susanne Geske fühlt sich von mutmaßlichen Tätern nicht bedroht

Türkei: Witwe kritisiert Freilassung von „Christenmördern“

Susanne Geske fühlt sich von mutmaßlichen Tätern nicht bedroht

Malatya (idea) – Als Katastrophe für die Rechtsprechung in der Türkei hat Susanne Geske (Malatya), die Witwe des 2007 im osttürkischen Malatya ermordeten Deutschen Tilmann Geske, die Freilassung der fünf mutmaßlichen Täter bezeichnet. Sie lebt dort nach wie vor mit ihren drei Kindern. Tilmann Geske war zusammen mit zwei Mitarbeitern des christlichen Zirve-Verlags – Necati Aydin und Ugur Yuksel – getötet worden. Die Täter hatten die drei Christen gefesselt, gefoltert und ihnen die Kehlen durchgeschnitten. Unmittelbar nach der Bluttat wurden sie verhaftet. Eine am 21. Februar vom türkischen Parlament beschlossene Gesetzesänderung hat zur sofortigen Freilassung der Hauptangeklagten geführt. Das neue Gesetz besagt, dass die maximale Untersuchungshaftzeit nur noch fünf Jahre dauern darf. Wie Geske der Evangelischen Nachrichtenagentur idea-Schweiz sagte, fühlt sie sich von den Freigelassenen nicht bedroht. Als Christin habe sie ihnen die Tat vergeben. Sie habe dies „rein aus Gehorsam gegenüber Gottes Willen getan“. Hass- oder Rachegedanken habe sie niemals verspürt. Dies sei eine Gnade Gottes. Sie habe sich zu keinem Zeitpunkt in der Türkei unsicher gefühlt, auch gegenwärtig nicht. Zur Begründung verwies sie auf einen Vers im Neuen Testament: „Wahre Liebe treibt die Furcht aus“ (1. Johannes 4,18). Es sei aber eine Beruhigung für sie und andere Christen im Land, dass die fünf Freigelassenen Fußfesseln tragen müssten und unter Hausarrest stünden.

Jedes Jahr einmal die Bibel durchgelesen

Wie Geske weiter sagte, hat die Bibellektüre ihr geholfen, den Tod ihres Mannes innerlich zu verarbeiten. Sie habe seitdem die Heilige Schrift jedes Jahr einmal komplett durchgelesen: „Sie ist ein Liebesbrief Gottes an uns und tröstet, hilft, gibt Ratschläge in allen Lebenslagen.“ Im Rückblick sei sie auch dankbar für alle praktischen Hilfen nach dem Tod ihres Mannes. In den ersten drei Tagen hätten sich Nachbarn um die Versorgung von rund 80 Trauergästen gekümmert. Anschließend seien drei Monate lang mindestens jeweils zwei Freunde in ihrem Haus gewesen, um ihr im Alltag und bei allen Amtsgeschäften zu helfen. Geske: „Es tat mir gut, viel zu reden und nicht alleine zu sein.“ Die Türkei hat rund 75 Millionen Einwohner, von denen 95 Prozent Muslime sind. Die Zahl der Christen liegt bei 120.000; darunter sind etwa 4.000 Evangelikale.