23.03.2014

Nigeria: Ein Gottesdienst, der Mut beweist

Mehr als 2000 Nordnigerianer haben ihr Leben riskiert, als sie am vergangenen Sonntag den Gottesdienst besuchten. Ihre Stadt war von Islamisten mit Granaten angegriffen worden. Der Priester John Bakeni beschrieb die St. Patricks-Kathedrale von Maiduguri als „ganz voll“ und berichtete, dass Gläubige ihm hinterher gesagt hatten, sie hätten es vorgezogen, „in der Kirche zu sterben als woanders.“ 

Die Angriffe in Maiduguri fielen zeitlich zusammen mit Gewaltakten, die in christlichen Dörfern in der Nähe von Kaduna im Norden Nigerias durch muslimische viehzüchtende Nomaden vom Stamm der Fulani verübt wurden. Dabei waren am 14. März mindestens 100 Menschen getötet worden.

Eure Anwesenheit ist die beste Predigt

„Am Montag (17. März) gab es wieder viele Bombenexplosionen“, so Pater John Bakeni, „aber das schien die Leute nicht davon abzuhalten, zur Kirche zu kommen. Es erfüllte mich mit Demut und erbaute mich,  diese vielen Menschen im Gottesdienst zu sehen. Die Kirche war ganz voll. Als die Predigt an der Reihe war, sagte ich ihnen, es sei nicht notwendig zu predigen. Ich sagte ihnen: Eure so zahlreiche Anwesenheit ist selbst die beste Predigt“.
 Der Priester bat Menschen in aller Welt für das nigerianische Volk zu beten. “Bitte beten Sie, dass diese Gewalt aufhört”! 

Maiduguri Geburtsort von Boko Haram

Die Provinzhauptstadt Maiduguri gilt als Geburtsort der radikalislamischen Sekte Boko Haram. Das Besondere war, dass in diesem Fall der Angriff nicht in der Nacht, sondern schon tagsüber durchgeführt wurde. Doch Anschläge der Boko Haram gehören insbesondere in Nigerias Norden zur Tagesordnung. 

Boko Haram ( „Westliche Bildung ist Sünde“) will aus ganz Nigeria einen islamischen Gottesstaat machen - auf Grundlage der im Norden vielfach schon geltenden Scharia, dem islamischen Recht. Die Angriffe auf Christen und nigerianische Sicherheitskräfte nehmen immer gewalttätigere Ausmaße an.

Boko Haram nicht zu besiegen

Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm. Selbst in der im Zentrum Nigerias gelegenen Hauptstadt Abuja wird in regelmäßigen Straßensperren nach Sprengstoff, Maschinengewehren und Macheten gesucht. Die Anschläge kann die Regierung dennoch nicht verhindern. Bei den Angriffen werden Zivilisten getötet, ganze Siedlungen zerstört, Mädchen entführt.

Nigeria verliere den Kampf gegen den Terrorismus, warnte der Gouverneur des häufig betroffenen Bundesstaats Borno an der Grenze zu Niger und Kamerun, Kashim Shettima, erst vor kurzem: „Ausgehend von der derzeitigen Lage ist es für uns absolut unmöglich, Boko Haram zu besiegen.“ Die Mitglieder der Sekte seien sogar besser bewaffnet und motiviert als das nigerianische Militär.

Hundertausende flüchten vor dem Terror  

"Die entsetzlichen Attacken durch Boko Haram haben verheerende Auswirkungen auf das Leben in Nordnigeria", sagt Daniel Bekele, Leiter der Afrika-Abteilung von der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. "Hunderttausende sind in andere Landesteile und Nachbarländer geflohen“. So sind nach Angaben der Vereinten Nationen allein innerhalb Nigerias über 470.000 Menschen auf der Flucht. Etwa 13.000 weitere Menschen sind über die Grenze nach Kamerun geflohen; tausende in das Nachbarland Niger. Dort ist ihre Versorgung schwierig.

Mangel an Wasser, Nahrung, Medikamenten

"Wir brauchen die Unterstützung von Hilfsorganisationen. Es ist höchste Zeit, dass sie hier Hilfe leisten", meint Abdoullaye Ada, der Leiter der Hilfsaktion des Roten Kreuzes. Neben dem Mangel an Trinkwasser und Essen sieht Ada auch die medizinische Versorgung als großes Problem "Die meisten der Flüchtlinge sind traumatisiert, haben aber kein Geld für eine Behandlung oder Medikamente", klagt Ada.

Quelle: Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V.  (HMK)