24.03.2014
Russisch-Ukrainisch: Konflikt spaltet auch die Kirchen
Lutherischer Erzbischof: Wir akzeptieren das Ergebnis der Krim-Abstimmung
Russisch-Ukrainisch: Konflikt spaltet auch die Kirchen
Lutherischer Erzbischof: Wir akzeptieren das Ergebnis der Krim-Abstimmung
Kiew/Moskau/Simferopol (idea) – Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wird zunehmend zur Belastungsprobe zwischen den Kirchen. Insbesondere das Verhältnis der orthodoxen Kirchen wird immer gespannter. Aber auch unter Lutheranern ist die Einheit in Gefahr. „Wir sehen, dass die christlichen Denominationen beider Seiten eine innere Spaltung erleben“, erklärte der kommissarische Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien (ELKRAS), Dietrich Brauer (Moskau). Nach seinen Angaben haben die lutherischen Gemeinden in der ehemaligen Sowjetunion rund 40.000 Mitglieder – also sowohl im heutigen Russland als auch in der Ukraine und anderen heute unabhängigen Staaten. Brauer zufolge beobachten die Lutheraner „mit größter Beunruhigung“ die gespannte Situation „zwischen den Brudervölkern Russlands und der Ukraine“. Nach seiner Ansicht wird sowohl im Westen als auch in Russland die Situation in der Ukraine „äußerst einseitig“ dargestellt. Zur Volksabstimmung auf der bisher zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim erklärte Brauer: „In der Situation der Regierungslosigkeit, die in der Ukraine entstanden ist, haben die Bewohner der Krim den Wunsch geäußert, sich Russland anzuschließen. Als Bürger der Russischen Föderation, die nach ihren Gesetzen leben, akzeptieren wir ihre Entscheidung.“ Zugleich äußert der Erzbischof die Hoffnung, „dass die Einheit unseres Kirchenbundes trotz dieser Umstände gewahrt bleibt“. Man vertraue darauf, dass es „unsere europäischen und amerikanischen Partner nicht zulassen, dass die einfachen Menschen unter der Spannungssituation zwischen Russland und der Weltgemeinschaft leiden“. Brauer zufolge beten die Lutheraner um Weisheit für die politisch Verantwortlichen.
Feindseligkeiten zwischen orthodoxen Kirchen
Der russisch-ukrainische Konflikt führt auch zu Feindseligkeiten innerhalb der Orthodoxie. Seit der Unabhängigkeit der Ukraine gibt es zwei ukrainische orthodoxe Kirchen: die eine ist Teil der russisch-orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat), die andere spaltete sich von ihr 1992 ab (Kiewer Patriarchat). Beide Seiten beschuldigten sich jetzt gegenseitig, für Übergriffe auf Kirchengebäude verantwortlich zu sein. Die Moskauer Kirchenführung wies Vorwürfe als „gezielte Falschinformation“ zurück, dass auf der Krim Geistliche mit Unterstützung russischer Bewaffneter Kirchen des Kiewer Patriarchats beraubt hätten. Erzbischof Kliment (Simferopol) vom Kiewer Patriarchat sagte gegenüber der „Welt am Sonntag“, dass seine Priester Angst vor Repressionen hätten. Sechs von 15 Geistlichen seien bereits geflohen. Zwei Vertraute des Erzbischofs wurden entführt und fast zwei Wochen misshandelt: Andrej Schtschekun und Anatolij Kowalski. Unbekannte hatten sie verhört, geschlagen und mit Gaspistolen beschossen. Dennoch will der Erzbischof bleiben. Den schnellen Anschluss der Krim an Russland bezeichnete er als Verbrechen. Aber er ist auch enttäuscht von der neuen ukrainischen Führung: „Die Regierung in Kiew hat uns (auf der Krim) alleingelassen.“
Russisch-orthodoxe Kirche beschwört Einheit
Das Moskauer Patriarchat veröffentlichte am 21. März eine Erklärung zur Ukraine. Darin heißt es, die Grenzen der Kirche würden nicht durch politische Neigungen, ethnische Unterschiede oder Staatsgrenzen definiert. In der Stellungnahme wird das Erbe der Taufe der Ostslawen vor mehr als 1.000 Jahren beschworen. Die Einheit im Glauben und die Brüderlichkeit der „im selben Taufbecken getauften“ Menschen könne nicht ausgelöscht werden. Man sei überzeugt, „dass diese Einheit im Glauben auch nicht aus der gemeinsamen Zukunft gelöscht werden kann, in der die weißrussischen, russischen, ukrainischen und anderen Völker in Frieden, Liebe und Solidarität zusammenleben sollen“.