31.03.2014

Syrien: Leidensgeschichten der Christen

Rufen wir den Herrn im Namen unserer bedrängten Brüder und Schwestern in Homs an. Einigen Christen ist es gelungen die Altstadt, die seit zwei Jahren von der Aussenwelt abgeschnitten ist, bei Evakuierungsversuchen Ende Januar zu verlassen. Durch ihre Flucht gelangten die herzzerreissenden Leidensgeschichten der Gläubigen in Homs ans Tageslicht.

Rund 60.00 Christen lebten einst in der Stadt Homs, doch seit Oppositionskämpfer die Stadt eingenommen haben, ist ihre Zahl auf nur noch rund 80 Gläubige gesunken. Die Rebellen hinderten sie daran, die Stadt zu verlassen und benutzten sie effektiv als menschliche Schutzschilde. Durch den Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten starben sie einer nach dem anderen. Als die Evakuierungen begannen, waren nur noch ein paar Dutzend Christen am Leben.

In den Wochen vor den Evakuierungsversuchen verschlimmerte sich die Notlage der Christen. Sie wurden zunehmend von den Rebellen attackiert; in einem Fall wurde eine 80-jährige Frau auf offener Strasse so lange geschlagen bis sie zusammenbrach. Ein Graffiti, das an eine Wand gesprayt wurde, liest: „Wir werden euch alle umbringen, ihr Menschen des Kreuzes.“

Am 12. Januar wurde ein Gemeindeleiter, der der christlichen Gemeinschaft in Homs viel Unterstützung und Trost gespendet hatte, gefangen, gefesselt und mit Gewehrkolben zusammengeschlagen. Nur einige Tage später wurde er entführt und absichtlich so lange gefangen gehalten, dass er den Sonntagsgottesdienst verpasste. Die Kirchgemeinde war ausser sich vor Sorge.

 

Die Lebensmittelknappheit wurde so akut, dass die Menschen nur noch Weizenmehl zur Verfügung hatten. Einige hatten nicht einmal mehr das übrig und ernährten sich wochenlang nur noch von Weinblättern. Mitte Januar brachen Rebellen für zehn Nächte jede Nacht in ein oder zwei christliche Häuser ein und stahlen Lebensmittel und alle Wertsachen, die noch übrig waren. In anderen Fällen brachen die Milizen zur Mittagszeit in christliche Häuser ein und stahlen das für die Mittagsmahlzeit vorbereitete Essen.

Die Rebellen unterbrachen auch die Stromzufuhr zu christlichen Häusern, so dass die Gläubigen nicht einmal die drei Stunden Strom pro Tag erhielten, die zuvor verfügbar gewesen waren. Die Mobiltelefone der Gläubigen wurden ebenfalls gestohlen, damit sie nicht untereinander kommunizieren konnten.

Als die Evakuierung der Stadt begann, versuchten die bewaffneten Gruppierungen die Christen am Gehen zu hindern. Der Ort, der für die Evakuierung gewählt wurde, konnte nur nach einem langen und beschwerlichen Weg erreicht werden und viele ältere Gläubige waren nicht im Stande, die Reise auf sich zu nehmen. Einige Christen wurden in der Nähe des Ortes unter falschen Vorwänden festgehalten und so vom Gehen abgehalten. Diejenigen, denen die Flucht gelungen ist, mussten über zwei Stunden Weg auf sich nehmen und vier Tunnels durchqueren, manchmal sogar auf allen Vieren.

Endlich draussen, wurden die Evakuierten medizinisch versorgt und erhielten zu essen, darunter auch Obst und Gemüse. Ein christlicher Mann hielt eine Gurke, die er von einem Partner des Barnabas Funds erhalten hatte, und sagte: „So etwas habe ich seit zwei Jahren nicht mehr gesehen.“ Ein anderer Flüchtling freute sich unglaublich, dass er seine Hände unter fliessendem Wasser waschen konnte. Unser Partner vor Ort schrieb, dass einige der Christen so traumatisiert sind, dass sie nicht über ihre Erfahrungen sprechen können. Er erklärte: „Es scheint, als ob die Menschen in Homs sogar vergessen haben, wie man spricht.“ 

Beten wir für all diejenigen, die noch in Homs gefangen gehalten werden. Bitten wir, dass der Herr sie beschützt und all ihre materiellen Bedürfnisse deckt. Bitten wir auch, dass die christenfeindliche Kampagne der Rebellen ein Ende findet und unsere Brüder und Schwestern unter diesen schlimmen Bedingungen den Frieden des Herrn erfahren dürfen. Danken wir Gott, dass viele Christen die Altstadt verlassen konnten und beten wir, dass der Herr sie führt und begleitet (5. Mose 31,8), da sie sich nun vom Trauma der letzten zwei Jahre erholen und versuchen müssen ihr Leben anderswo wieder aufzubauen.


Quelle: Barnabasfund/Deutsch vom März 2014