12.05.2014
Nigeria: Wer befreit die entführten Schülerinnen?
Weltweite Empörung wächst – Michelle Obama: Sie sind wie unsere eigenen Töchter
Nigeria: Wer befreit die entführten Schülerinnen?
Weltweite Empörung wächst – Michelle Obama: Sie sind wie unsere eigenen Töchter
Abuja (idea) – Die weltweite Empörung über die Entführung von fast 300 nigerianischen Schülerinnen durch die radikal-islamische Terrororganisation Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) wächst. Aber auch vier Wochen nach der Verschleppung der ersten Gruppe von 276 Teenagern im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren aus einer Realschule in Chibok (Bundesstaat Borno) sowie weiteren elf wenige Tage später fehlt von ihnen jede Spur. 234 befinden sich noch in der Gewalt der Entführer, wahrscheinlich auch in den Nachbarländern Kamerun, Tschad sowie der Zentralafrikanischen Republik. Etwa 90 Prozent der Geiseln stammen aus christlichen Familien.
Die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, China und Israel haben Unterstützung bei der Suche durch Spezialkräfte zugesagt. Frankreichs Präsident Francois Hollande regte ein Gipfeltreffen mit westafrikanischen Staatschefs an, um mit Nigerias Staatschef Goodluck Jonathan über eine abgestimmte Reaktion zu beraten. Die US-amerikanische „First Lady“ Michelle Obama sagte in ihrer Muttertagsansprache am 11. Mai, ihr Ehemann Barack und sie sähen in den entführten Mädchen ihre eigenen Töchter: „Wir können uns die Qualen vorstellen, die ihre Eltern jetzt durchmachen.“
Mädchen „im Namen Allahs“ verkauft
Boko Haram will im muslimisch dominierten Norden Nigerias und in anderen Ländern Afrikas mit Gewalt einen islamischen Gottesstaat errichten, dem sich alle Bürger unterwerfen müssen. Die Terrororganisation verübt seit fünf Jahren Anschläge vor allem auf Schulen und Kirchen. Allein in diesem Jahr sind ihnen mindestens 2.000 Menschen zum Opfer gefallen; die meisten waren Christen. Die Organisation setzte unterdessen ihren Terror fort. Ihre Kämpfer machten am 10. Mai das Dorf Limankara (Borno) dem Erdboden gleich und sprengten eine Brücke, die die Bundesstaaten Borno und Adamawa verbindet. Sie gilt als möglicher Zugang zum dichten Wald Sambisa, in dem die Terroristen Lager unterhalten. Es wird vermutet, dass dort die Mädchen gefangen gehalten wurden. Andere Quellen sprechen davon, dass sie bereits als Sex-Sklavinnen an muslimische Männer im Ausland verkauft worden sind. Der Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau hatte sich in einem Video damit gebrüstet, dass die Geiseln für umgerechnet neun Euro als „Sklavinnen“ an Muslime veräußert und zwangsverheiratet würden. Damit gelten sie als Musliminnen. Shekau: „Es gibt einen Markt für Mädchen. Ich werde sie auf dem Markt verkaufen. Allah will es so.“
Bundespräsident Gauck bestürzt
Bundespräsident Joachim Gauck reagierte bestürzt auf die Verbrechen. Die Bundesregierung verurteilte durch ihren Sprecher Steffen Seibert die „barbarische Gewalt“ und sagte Unterstützung für die weltweite Kampagne „Bringt unsere Mädchen zurück“ zu. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), brachte seine Trauer und Empörung zum Ausdruck. Der Vatikan verurteilte die „schrecklichen Gewaltverbrechen“ und forderte die sofortige Freilassung der Schülerinnen. Der Vorsitzende der nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ignatius Kaigama (Jos), sagte, Boko Haram behaupte, einen Krieg im Namen Gottes zu führen: „Ich weiß nicht, welche Art Gott das sein soll.“ Die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber (Hannover), verurteilte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea die „menschenfeindliche Sicht“, Frauen zur Ware zu degradieren. Boko Harams Name „Westliche Bildung ist Sünde“ sei Programm. Langfristig sieht Bosse-Huber nur in Bemühungen um Verständigung und Dialog zwischen den Religionen eine Chance, die Gewalt einzudämmen.
Unionssprecherin: Gewalt richtet sich nicht nur gegen Christen
Die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach (Berlin), begrüßt die internationale Hilfe bei der Suche nach den entführten Schülerinnen in Nigeria. Sie sieht aber zurzeit keine Möglichkeit einer deutschen Beteiligung, wie sie gegenüber idea sagte. Die Unionsfraktion verurteilt die „besonders verabscheuungswürdigen Verbrechen“ und ruft die Täter auf, die Schülerinnen unversehrt freizulassen. Steinbach betonte, dass sich die Gewalt nicht nur gegen Christen richte, sondern auch gegen gemäßigte Muslime. Die Kirchen in Deutschland sollten laut Steinbach die Kirchen vor Ort weiterhin dabei unterstützen, ihren Kurs des Ausgleichs und der Versöhnung fortzusetzen.
Deutscher Islamrat verurteilt „unislamische“ Gewalt
Der Deutsche Islamrat sieht die Gewalttaten von Boko Haram als „unislamisch“ an. Der Vorsitzende, Ali Kizilkaya (Köln): „Wir sind fassungslos und verurteilen, was da passiert.“ Kinder zu entführen, sei „total unmenschlich“ und widerspreche dem Islam.